Zur öffentlichen Debatte um den Rückzug des BMW Guggenheim Lab aus Kreuzberg erklären Christopher Lauer, innenpolitischer Sprecher, und Oliver Höfinghoff, baupolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

Christopher Lauer:

„Senator Henkel lässt die Öffentlichkeit im Unklaren darüber, welche Gefährdung konkret dazu geführt hat, dass das BMW Guggenheim Lab in Kreuzberg nicht durchgeführt wird. Lieber poltert er öffentlichkeitswirksam gegen ‚linke Chaoten‘ und unterstellt gentrifizierungskritischem, bürgerschaftlichem Engagement pauschal Gewaltbereitschaft.

Den friedlichen Protest von Vielen und die Gewaltbereitschaft von Wenigen über einen Kamm zu scheren, trägt zur Eskalation der Situation bei und ist kontraproduktiv. Wir fordern Herrn Henkel auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Ein erster Schritt wäre, wenn der Innensenator die Erkenntnisse zur Gefährdungslage vorlegt, damit man sich in der Debatte mit Fakten auseinandersetzen kann.

Sollte Herr Henkel dem nicht nachkommen können, können wir dies auch gern in einer Sondersitzung des Innenausschusses klären. Durch die Osterferien tagt dieser regulär leider erst wieder Ende April.“

Oliver Höfinghoff:

„Genauso wie nicht jeder Investor in Friedrichshain-Kreuzberg ein ‚Gentrifizierer‘ ist, ist nicht jeder Kritiker eines Bauvorhabens ein gewaltbereiter ‚linker Chaot‘.

Wenn jetzt ein alternativer Standort für das Lab gesucht wird, müssen die Veranstalter gemeinsam mit den politischen Akteuren so früh wie möglich die Anwohner einbinden. Es ist nicht hinnehmbar, dass einem Projekt einerseits ‚der rote Teppich‘ (Wowereit) ausgerollt wird und andererseits die Einwände und Bedenken der Anwohner kein Gehör finden.

Gerade bei Entscheidungen, die Konsequenzen auf die gesamte Infrastruktur eines Stadtteils haben, bringt es nichts, sich hinterher über ‚Fortschrittsverhinderer‘ zu ereifern und protestierenden Menschen auch noch Gewaltbereitschaft zu unterstellen, wenn vorher keine Möglichkeit der Partizipation bestand.“

8 Kommentare

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    „Den friedlichen Protest von Vielen und die Gewaltbereitschaft von Wenigen über einen Kamm zu scheren, trägt zur Eskalation der Situation bei (…)“

    ?

    • Lotar Sawall

      Es ist wahrlich zum Kotzen, jetzt will sich doe Nachgeburt der Grünen, die schon um Ödzemir und Kühnast zu bürgelich geworden sind emanzipieren, da jammert eine sogenannte Landesheschäftsführerin sie würde rassistisch verfolgt, da ist eine Schande aber man geht damit nicht hausieren, dann wird gejammert über die Guggenheim Ausstellung und die Oper, Arschlöcher die nur Ihren beschissenen Computer, ihren Laptop und das World Wide Web in ihrem verkümmertn Hirn haben, die wahrscheinlich Programme auf dem rechner haben, die sie abfragen wenn sie scheißen gehne sollen un wann der Koitus volzogen werden darf. Diese schmierige Bande ist eine gefahr für die freie Entfaltung des Menschen, und nicht sich einem Computer welcher nur 1 und 0 kennt oder ja und nein, Leute die nicht begreifen, dass sie es sind die den Blödsinn in ihrem Computer eingeben und dann feststellen garbage in garbage out, deren Hirneohne de Computer zwischenzeitlich zum normalen Denken zu verkümmert sind.

    • Korrigiert den Fehler doch einfach mal 🙂

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  3. 3

    Wäre gut wenn ein Posting auf dem Blog die Hintergründe für Außenstehende kurz anreissen könnte. Was will das Lab, wer hat was abgelehnt, wie ist die Haltung der Fraktion.

    Das kann man aus den Zitaten leider nur erahnen.

    Gruss
    Bernd

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    Nicolas Jost

    Geschätzte Leserinnen und Leser,
    geschätzte Parteifreundinnen und Parteifreunde,

    ich möchte hiermit freundlichst dazu aufrufen, Ruhe zu bewahren, die Ereignisse in aller Ruhe zu analysieren und dann anhand der konkreten Situation im Ostteil(!) von 1000 Bln 36 einen Kommentar abzugeben.

    Ich gebe ganz ehrlich zu, ich war fast ein wenig sprachlos, als ich in regionalen wie nationalen Zeitungen (Mopo, T’spiegel, FAZ) lesen musste, dass die Guggenheim-Stiftung Abstand von der Brachfläche an der Schlesischen Straße nimmt.

    Ich würde die ganze Situation gern vollkommen frei von jedweder „Ideologie“ betrachten. As far as I know sind die folgenden Thesen durch eine respektable Agentur verifiziert worden oder Allgemeinwissen, das jederzeit unter Zuhilfenahme von Stadtplänen oder verbreiteten Lexika überprüft werden kann, weshalb ich sie an dieser Stelle einfach mal als Fakten darstellen möchte:
    – seit sehr, sehr langer Zeit befindet sich auf einem Grundstück (relativ groß, von der Straße bis zu diesem Fluss) ein unbebautes Grundstück
    – das Areal (das nicht der öffentlichen Hand gehört; der Eigentümer toleriert die Umtriebe allerdings seit Jahren) wird zwar von den „36ern“ zum Grillen und zum Chillen gern genutzt, allerdings befindet sich 350 Meter weiter, also an der Stelle, wo Kreuzberg 36 an den noch immer etwas eigenartig anmutenden Bezirk Treptow(-Köpenick) grenzt (für Ortskundige: gleich nach der ARAL-Tankstelle „Vor dem Schlesischen Tor 2“ und dem „Club der Visionäre“ rechts), der Eingang zu einer ganz reizenden, sehr großen Parkanlage, wo man nach Einbruch der Dunkelheit nicht nur seinen Holzkohlengrill anheizen und seinen Hund (Größe und Verhalten irgendwo zwischen Wolf und Wildschwein) den süßen Duft der Freiheit genießen lassen kann, sondern auch sehr viele andere freundliche Bewohner der innerstädtischen Bezirke kennen lernen kann.

    Nun ja, zurück zu diesem einen Grundstück („Schlesier Ecke Küwri“, sagen die Messenger auf ihren Rennrädern), das es nun in die Tageszeitungen geschafft hat:
    – die weltweit anerkannte Guggenheim-Stiftung möchte, als Sponsor hat sie nun BMW mit im Boot, für drei Monate(!!) einen Glaspavillon(!!) errichten, um über diverse interessante Dinge unter Einbeziehung der Locals zu diskutieren
    – der temporäre(!!) Glaspavillon hätte nicht einmal die Hälfte dieser Wiesen-Kulturlandschaft belegt; und – wie gesagt – auch nur für etwa drei Monate
    – die selbst ernannten Vertreter der Anwohner versuchen nun tatsächlich, dass Wort „Aufwertung“, zumindest dann, wenn die vermeintliche A. ein ehemaliges, einst sehr, sehr bescheidenes Arbeiterviertel betrifft, als durchweg negativ darzustellen.

    Meine lieben Mitbürger(-innen)!

    Bitte seht die ganze Angelegenheit doch einmal im Kontext der letzten (hmm, ich nehm‘ jetzt einfach mal ein Beispiel…) 20 Jahre…:
    Damals haben wir („wir“ steht jetzt einfach mal stellvertretend für „meine Familie“…ich sehe eigentlich keinen Grund, in dieser Sache ins Detail zu gehen)
    Als wir vor etwa 20 Jahren einen klassischen Altbau in Kreuzberg 61 (aber fast 36, nämlich gerade einmal ums Eck vom O-Platz) erworben hatten, wohnten in dem Gebäude eigentlich nur Menschen, die sich noch (zumindest in groben Zügen) an den 1. Weltkrieg (und folgende Ereignisse) erinnerten und demnach nicht nur sehr, sehr alt, sondern auch etwas eigenartig waren.
    Nun trug es sich tatsächlich in der nun geschilderten Art und Weise zu, dass viele dieser alten Damen (die waren ja auch in der Regel schon über 90 und meist in vielerlei Hinsicht arg behindert) während der folgenden Jahre die letzte Reise antraten.

    Und während wir das Haus von vorne bis hinten (ja, Hof und Hinterhaus natürlich auch) und somit auch Wohnung für Wohnung sanierten, fingen die ehemals durch Beton und Stacheldraht getrennten Bezirke (damals zum Beispiel Kreuzberg und Friedrichshain) langsam an, sich mit ihrer neuen Situation auseinander zu setzen und mit den nun plötzlich ganz nahen Nachbarn zu kooperieren.
    Nun wurde Berlin zwar sehr sexy, faszinierend und dynamisch – und auch in unsere Altbauwohnungen auf der 61er-Seite vom O-Platz zogen mit der Zeit Künstler, Studenten, Siemens-Ingenieure und halt viele andere Mitbürger ein.

    Und während viele (leider noch immer nicht genügend) Kreuzberger einen ordentlichen, anständig vergüteten Job fanden, in derselben Zeit aber auch die ganzen alten Gegenden – einst vom Verfall bedroht, fast wie wie Wolfen/Bitterfeld, oder aber auch Gelsenkirchen, allerdings mit einer alternativen Enklaven-Attitüde auftretend – sukzessive von der Sanierungswelle und anschließenden, durchaus moderaten Mietsteigerungen (insbesondere im internationalen Vergleich; und da sogar mit vergleichsweise kleinen Städten wie Florenz) profitierten, meinte eine ganz, ganz kleine Gruppe von Leuten, die sich zwar in der Theorie ausschließlich für die Belange des immer mal wieder erwähnten „kleinen Mannes“ (ggf.: des kleinen Mannes auf der Straße) einsetzt und sich für eine freundlichere Welt einsetzt usw. usf.
    Leider musste diese „linksradikale“ oder auch „autonome“ Gruppe, die bei Demos gegen alle möglichen Dinge, also eigentlich ganz unabhängig vom Anlass, sofern das vermeintliche „Großbürgertum“ (also jeder, der nicht zweifelsfrei und sofort als „Antifaschist“ erkennbar ist), schon vor geraumer Zeit einsehen, dass dieses dusselige Volk, das sie ja eigentlich aus den Klauen des Großkapitals/der Kapitalisten/der faschistoiden ***-industrie (also irgendeiner Industrie) befreien wollte, schon vor einiger Zeit zur Kenntnis nehmen, dass dieses dämliche Volk einerseits nicht befreit werden will, sondern auch noch nörgelt, wenn irgendwelche antifaschistischen Leute in ihrem Kampf gegen Wasauchimmer diverse Autos diverser „einfacher Leute“ (seitdem es Leasing und das ganze Zeug gibt, blickt man ja auch wirklich nicht mehr durch) einfach mal so durch Feuer und Hitze zerstört haben.

    Nun ja…
    Der langen Rede kurzer Sinn mündet leider in der Feststellung, dass einige gewaltbereite Personen dafür gesorgt haben, dass das Landeskriminalamt zu der Einschätzung gelangte, dass die geplante Installation der Guggenheim-Stiftung in Kreuzberg durch gewaltbereite Autonome einer permanenten Gefährdung ausgesetzt wäre. (Sofern sie nicht 24/7 durch private Sicherheitsdienste usw. usf. …)

    Und da die legendäre Guggenheim-Stiftung (wohl aus historischen Gründen) sehr sensibel ist, sobald Anschläge und Drohungen (gegen Güter bzw. Gegenstände, aber ggf. auch gegen sämtliche Personen, die sich nicht zweifellos dem links-autonomen Spektrum zuordnen lassen) nicht vollständig ausgeschlossen werden können, möchte die Stiftung lieber nicht mehr am Schlesischen Tor mit den Bürgern über die Dinge diskutieren, die ja eigentlich gerade den Kreuzbergern unter den Nägeln brennen.

    Abschließend erlaube ich mir eine ganz kurze Zusammenfassung:
    – einst stand ein Haus in der Schlesischen Straße -> vermutlich wurde es im Krieg zerstört -> auf jeden Fall gibt es ein riesiges Areal mitten in der pulsierenden Stadt
    – die besagte Brachfläche wird gern zum Grillen genutzt, der Eigentümer toleriert das seit Jahren
    – nach diesen vielen Touristen mit diesen Koffern, die zwei Räder und einen langen Griff aufweisen, kommt nun auch noch der Besitzer des unbebauten Grundstücks und möchte tatsächlich der Guggenheim-Stiftung die Errichtung und das temporäre Betreiben eines gläsernen Pavillons gestatten. Und die Leute sollen in dieser Exklave des Großkapitals miteinander diskutieren. -> Rechnung ohne das Wirtshauskollektiv gemacht.

    Liebe Mitpiratinnen,
    liebe Mitpiraten,

    wir sollten stolz darauf sein, dass Guggenheim unsere Stadt zwischen NYC und Bombay ausgewählt hat.
    Natürlich ist es richtig und wichtig, die Sorgen und Befürchtungen der Anlieger in einer ernsten Art und Weise zu besprechen.
    Aber es kann nicht angehen, dass wir, in dieser noch nicht sehr alten Hauptstadt (ja, ja, ich weiß…bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges usw. usf.), die leider noch immer eine sehr hohe Arbeitslosenquote aufweist, weltberühmte Stiftungen durch Gewaltandrohungen verschrecken.
    Und die Touristen, die so gern verflucht werden und die natürlich verantwortlich für all diese üblen Veränderungen sind, die hätte man ja eigentlich gern an irgendeinem anderen Ort. Nur das Geld, das würde man schon gern behalten, schließlich lebt fast ganz Berlin von der Bundesregierung, vom Soli (bzw. Zahlungen aus Bayern und Ba-Wü) und von diesen eigenartigen Touristen, die plötzlich mit diesen ganzen Flugzeugen (gegen die man natürlich auch demonstriert und/oder sich bis nach Karlsruhe/Leipzig klagt), schließlich hat einem der Makler beim Hauskauf nicht gesagt, dass dieser Flughafen, den die da um die Ecke bauen, diese lauten Flugvögel mit den ganzen seltsamen Rollkoffer-Touris quasi magisch anzieht).

    Meine lieben Mitpiratinnen und Mitpiraten!

    Bitte lasst uns die Dinge mit Vernunft, Lebenserfahrung und unserem gesunden Menschenverstand beurteilen. Seit über 20 Jahren wird Berlin ausschließlich durch die ideologische Brille regiert (mal sozialdemokratisch, mal etwas konservativ-christlicher).
    Die PIRATEN propagieren die Idee des transparenten Staates und des transparenten Regierungsapparates. Diese Transparenz muss genutzt werden, um rationale und vernunftbegabte Entscheidungen zu treffen. Sonst wird das ein kurzes Intermezzo im/in den Parlament(en).

    Danke,
    Nicolas Jost, Berlin-Lichterfelde

  5. 5

    Lieber Nicolas, danke für die wahrlich sehr lesenswerten Zeilen. Leider wirst du die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben, denn solange die ganzen zugezogenen Piraten, gerade alle aus der Zone Ost oder West zugezogen, das Sagen im Abgeordnetenhaus haben, und zu jedem opportunistischen Scheiß ihren Senf dazugeben müssen, ohne auch nur zwei Minute nachzudenken, wird es tatsächlich (hoffentlich) ein kurzes Intermezzo.

    Offensichtlich ist Herr Lauers persönliche PR (ich hab ADS und das ist auch gut so) wichtiger als vernünftige Politik.

    Also weiter so ! Zu jedem Scheiß was sagen, von Berlin keine Ahnung haben, und tschüss!

  6. 6

    Bewahren Sie bitte Ruhe und gehen Sie weiter. Hier gibt’s nichts zu sehen bzw. lesen.

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