Der Senat stellte heute (23.04.12) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2011 vor.
Hierzu sagt Christopher Lauer innenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Die PKS stellt sich bei genauerer Betrachtung der Zahlen weit weniger dramatisch dar, als ein Anstieg der Fallzahlen von 4,1 Prozent vermuten ließe.
43,1 Prozent aller Fälle sind Diebstähle. Das ist alles vom Schokoriegel im Supermarkt bis zum Nobelauto. Fahrraddiebstähle (5,25% aller Fälle) und Wohnungseinbrüche lassen sich am besten durch Prävention vermeiden wie der Umstand beweist, dass 38% aller Einbruchsversuche gescheitert sind.
Der Rückgang von gefährlichen und schweren Körperverletzungen im öffentlichen Raum ist erfreulich.
Die 15.167 Fälle von Schwarzfahren, immerhin 3% aller Delikte, ließen sich auf einen Schlag vermeiden, wenn man, wie von der Piratenfraktion gefordert, den fahrscheinlosen ÖPNV einführen würde.
Wir kritisieren, dass Teile der Medien für ihre Print-Berichterstattung zum 19.04.12 die PKS anscheinend bereits vor den Abgeordneten, die bis zum heutigen Tag zu stillschweigen verpflichtet wurden, zur Verfügung hatten. So hatte eine Zeitung bereits am 19.04.12 mit einem Foto dokumentiert, dass ihr offensichtlich der ganze Bericht schon zur Verfügung stand. Das spricht Bände über die Wertschätzung des Senats gegenüber dem Abgeordnetenhaus. Es erschließt sich uns weiterhin nicht, warum wir im 21. Jahrhundert auf den Ausdruck der PKS warten müssen und sie nicht in dem Moment in digitaler und durchsuchbarer Form erhalten, in dem sie zur Verfügung steht. Es ist bedauerlich, dass Frank Henkel auch auf Nachfrage keinen Vorschlag hatte, wie das Verfahren in Zukunft anders handgehabt werden könnte.“

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Wie sich herausstellte beinhaltete die PKS von 2005 bis 2011 einen gravierenden Fehler, was die Zuordnung von Nationalitäten bei Tatverdächtigen betrifft.
Tatverdächtige, die keine Angabe zu ihrer Nationalität machten, wurden automatisch als Nichtdeutsche eingestuft, obwohl sich letztlich herausstellte, dass sie zu 85% die deutsche Staatsbürgerschaft hatten.

Hierzu erklärt Fabio Reinhardt, integrationspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Bei richtiger Angabe hätte der Anteil der Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen insgesamt seit 2005 um 3-5% niedriger gelegen. So kam es zu Verzerrungen, die einen kontinuierlichen Anstieg der Kriminalitätsrate unter Nichtdeutschen vorgaukelten, obwohl nach 2004 die Zahlen vorerst rückläufig waren. Zahlreiche falsche Darstellungen in den Medien waren die Folge. Diese lassen sich natürlich nicht mehr korrigieren. Das ist äußerst ärgerlich. Fakt ist, dass der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen heute nicht wesentlich höher ist als noch vor 10 Jahren.“

Ein Kommentar

  1. 1
    Robert Niedermeier

    Noch unangenehmer als der PM-Text fiel mir soben via TV allerdings diese als Rednerbeitrag getarnte Büttenrede im Abgeordnetenhaus auf. Mich stößt diese gockelhaft präsentierte Gag-Abfolge ab, die der Redner sich selbst wohl selbstgefällig als geschickt platziere Bonbons attestierte… Schlimm: Popanz statt Politik!

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