Bildungssenatorin Scheeres plant, im Rahmen eines Pilotprojekts an 10 Berliner Schulen im Schuljahr 2012/2013 ein elektronisches Klassenbuch einzuführen.
Vordergründig soll mithilfe des elektronischen Klassenbuchs Schulschwänzen eingedämmt werden. So soll es etwa Lehrern möglich sein, Eltern eine SMS zu senden, wenn ihre Kinder nicht zum Unterricht erscheinen. Ein elektronisches Klassenbuch kann aber weit mehr als dies. So ist es zum Beispiel möglich, detaillierte Informationen über einzelne Schüler und deren allgemeines Verhalten zentral zu speichern. Außerdem könnte es Lehrern im Bedarfsfall möglich sein, von zu Hause aus, über das Internet verbunden, mit dem elektronischen Klassenbuch zu arbeiten.

Hierzu erklärt Martin Delius, bildungspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Statt auf Überzeugung, Betreuung und Attraktivität der schulischen Angebote setzt Frau Scheeres auf Überwachung und Kontrolle. Sie nimmt dabei die Gefahr in Kauf, dass neben den gewollten SMS an Eltern auch schnell ungewollt ein öffentlicher Pranger mit Live-Fehlzeiten im Internet auftaucht. Sollte das elektronische Klassenbuch so eingesetzt werden, wie von den bisher genannten Firmen beschrieben, bedeutet das, dass höchst sensible Daten über Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, und sogar Erziehungsberechtigte über das Internet verfügbar gemacht, elektronisch weiterverarbeitet und zwangsläufig auf vielen Endgeräten kopiert und gelagert werden. Die Erfahrung mit derlei Systemen hat gezeigt, dass es keine endgültige Sicherheit für solche massiven Datensammlungen geben kann. Die Missbrauchsgefahr und der potenzielle Schaden sind für den angedachten Zweck wesentlich zu hoch. Die Senatsverwaltung ist im Sinne der Schülerinnen und Schüler dringend dazu angehalten, Datensparsamkeit walten zu lassen.
Es gibt an den Berliner Schulen mit Sicherheit bessere Möglichkeiten, die rund 72.000 Euro, die dieses Pilotprojekt kosten würde, zu investieren.“

HIntergrund:

Kleine Anfrage und Antwort zu elektronischem Klassenbuch: http://martindelius.de/wp-content/uploads/2012/05/ka17-10325.pdf

Ausführlicher Blogbeitrag von Martin Delius zum Thema: http://martindelius.de/2012/05/das-elektronische-klassenbuch-komm-mit-sicherheit/

Fotos von Martin Delius: http://www.flickr.com/photos/piratenfraktionb/sets/72157629232844956/

Ein Kommentar

  1. 1

    Seid mal nicht so technikfeindlich…
    Twitter, Facebook, Smartphones und Konsorten ziehen in die Parlamente – warum soll in den Schulen denn weiter mit Papier gearbeitet werden?

    Die Entwicklung ist richtig – setzt euch doch lieber dafür ein, dass dieses neue Medium verantwortungsvoll und transparent genutzt wird (Kontrolle durch Schüler- und Elternvertretungen, Moderation durch qualifizierte Moderatoren, Einsicht in alle persönlichen Daten durch den Schüler bzw. dessen Eltern etc).

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