In Berlin sollen circa 300 gesponserte Notebooks an zehn Berliner Schulen für eine bessere technische Ausstattung sorgen. Der Berliner Senat feiert die Spende der Firmen Intel und HP sowie das eigene Leitprojekt „Berlin goes Mobile – in learning“ als großen Schritt hin zu zukunftsfähigem Unterricht.

Deutliche Kritik an dieser Darstellung übt Martin Delius, bildungspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Dass man Schulen mit geschenkter Hardware ausstattet ist löblich, bringt die Berliner Schulen schlussendlich aber keinen Schritt weiter, wenn es darum geht, erfolgreich Unterricht mit digitalen Hilfsmitteln und neuen Medien zu konzipieren. Die Grundlagen für ein solches Unterfangen fehlen völlig. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer haben nicht das nötige Know-how, um effektiven Unterricht mit neuen Methoden und digitalen Mitteln durchzuführen. Erprobte Konzepte für das gemeinsame Lernen und Arbeiten mit digitalen Lernmethoden fehlen an Berliner Schulen fast völlig. Die Nutzung des Internets wird durch zentrale Internetfilter stark eingeschränkt und ein echter Austausch über digitale Möglichkeiten so konsequent verhindert.
Will der Berliner Senat den Unterricht in der Stadt wirklich in das 21. Jahrhundert versetzen, muss er zuerst seine eigenen Hausaufgaben erledigen. Wir brauchen dringend ein Gesamtkonzept „digitale Schule“, das den überholten eEducation-Masterplan ablöst. Statt an teuer lizensierte und nicht frei verwendbare Inhalte von Schulbuchverlagen gefesselt zu sein, brauchen Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, mit ihren Schülern eigene digitale Unterrichtsmaterialien zu erstellen und zu verbreiten. Die Stadt Berlin braucht dazu dringend eine Datenbank frei verwendbarer digitaler Bildungsinhalte (OER) und der Senat muss sich im Bund dafür einsetzen, dass die Verwendung von Inhalten für Bildungszwecke freigegeben wird. Internetfilter für Bildungseinrichtungen müssen abgeschafft werden. Wenn darüber hinaus noch innovative Lehrkonzepte mit den neuen Medien entwickelt werden sollen, muss seitens der Verwaltung endlich auch die zusätzliche medienpädagogische Betreuung im Unterricht zum Beispiel durch freie Träger finanziert werden.
Bevor der Senat hierfür nicht die elementaren Voraussetzungen schafft, nützen 300 neue Notebooks an Berliner Schulen gar nichts. Lehrer und Schüler sind hochmotiviert und brauchen jetzt dringend ein schlüssiges Konzept zum Thema digitale Schule. Digitale Schule ist DAS bildungspolitische Thema der Zukunft. Es wird Zeit, dass der Senat es auch als solches behandelt.“

Das Gesamtkonzept digitale Schule im Berliner LiquidFeedback: https://lqpp.de/be/initiative/show/1917.html

Fotos von Martin Delius: http://www.flickr.com/photos/piratenfraktionb/sets/72157629232844956/

8 Kommentare

  1. 1
    Jacky Neiwel

    Och mann seit doch nicht so streng. Ich hab keine Ahnung wie die IT Ausstattung an den Schulen momentan ist, noch weniger, wie sie in Berlin ist. Zu meiner Zeit hatten wir 20×6 Jahre alte Windows 98 Rechner, die nur die Hälfte der Zeit funktionierten. Wir hatten da im Unterricht nicht einmal die Option irgendwas zu lernen, weil der Kram schlicht nicht funktioniert hat und daran durften wir dann auch noch Arbeiten schreiben.

    Internet lernen die Kids doch von alleine, und bzgl. Profilsicherheit können die in der Theorie dran nehmen. Wir haben damals angefangen ne Homepage zu erstellen mit Frontpage. Zum Glück nie online gegangen, wie hätt ich die je wieder rausgekriegt? Ich bin zum Beispiel voll dagegen, dass jetzt irgendein Lehrer seinen Kindern den Auftrag gibt, sie sollen sich bei Facebook oder auch nur schuelervz ein Profil anlegen, sowas sehe ich nämlich schon kommen!

    Wichtig wäre mal die dröge Textverarbeitung rüberzubringen und vllt. das programmieren zu vermitteln. Bei chip.de n Programm runterladen oder googeln kann wirklich jeder! Also wir brauchen tatsächlich qualifizierte Lehrer, aber nicht unbedingt das Internet für einen guten Informatikunterricht.

    • Der gute Herr Delius sollte mal seine Hausaufgaben machen, sich selber mal in die Schulen trauen und die LehrerInnen und SchülerInnen frage. Wenn er mit seinen ulkigen Ansichten dort aufschlagen würde, würden die ihm ganz schön den Marsch blasen. In den letzten 6 Jahren sind über 28.000 LehrerInnen zu den Fortbildungen nach dem „education masterplan“ gegangen, das soll er erst mal nachmachen. In Berlin teilen sich „nur noch“ 6 SchülerInnen einen PC. Klar, das ist immer noch nicht gut, BYOD wäre besser, aber woher nehmen in einer Stadt die so ziemlich pleite ist. Immer nur nörgeln, was man machen müsste, was fehlt und dass er alles besser weiß – das ist eine billige Nummer. Selber vormachen wäre besser. Das mit dem verstaubten masterplan soll er mal nicht die versammelte Wissenschaft, Wirtschaft Industrie, Handel, gsellschaftliche Gruppen und Gewerkschaften hören lassen, die haben nämlich daran damals mitgearbeitet. Vielleicht sind eher die Vorstellungen von Herrn Delius verstaubt, die sollte er sich mal von Fachleuten entstauben lassen.

  2. 2
    Nikolai Neufert

    Lieber Herr Delius, bei Ihrem Kommentar muss man sich wirklich die Augen wischen – vor Verwunderung. Wahrscheinlich ist Ihnen gar nicht bekannt, wie hoch das Engagemant unserer Lehrerinnen und Lehrer in der Berliner Schule ist. Immerhin sind in den letzten 6 Jahren über 28.000 von Ihnen zur Masterplan-Fortbildung gegangen – und das mit einem Volumen von über 500.000 Kursteilnehmerstunden. Ich denke, der Quotient 1 : 6 kann sich in einem armen Bundesland wie Berlin auch sehen lassen. Wahrscheinlich wissen Sie auch nicht, dass über 80% der Mittel, die für die Umsetzung des von Ihnen als „verstaubt“ bezeichneten Masterplans eingeworbene Drittmittel sind. Dass der Masterplan ihren interessanten Vorstellungen von einer digitalen Schulen nicht zu entsprechen scheint, ist ja recht betrüblich, aber solange die Betroffenen in der Bildung dieses Ding gutfinden, kann man getrost danach arbeiten und kontinuierlich verbessern – was ja auch getan wird.
    Kritik ist ja etwas sehr schönes – sagen, wie es besser geht und voher das Geld kommen soll – und zwar ganz konkret – wäre besser. In diesem Sinne: happy computing.

  3. 3
    Jacky Neiwel

    Nach eigener Aussage hat Martin Delius an Schulen unterrichtet seitdem er 18 war. Ich traue ihm schon zu, dass er sich da auskennt. Es wäre wirklich vernünftig in PM´s besser zu spezifizieren, was denn genau juckt.

    Dieser Eeducation Masterplan ist ja HOCH interessant!!! Hat mal jemand nen Link dazu, wo VERSTÄNDLICH erklärt wird, was es ist und was man davon erwartet?

  4. 4

    @Jacky:

    Hallo,

    „Dieser Eeducation Masterplan ist ja HOCH interessant!!! Hat mal jemand nen Link dazu, wo VERSTÄNDLICH erklärt wird, was es ist und was man davon erwartet?“

    Ich kann dir leider nur die offiziellen Dokumente zum eEducation Masterplan anbieten und zwar die erste Grundlage von 2005 [1] und die Ergänzung, um interaktive Whiteboards (welche bereits in der Heidelberger Konzeption von 2008 enthalten sind), von 2009 [2].

    @Martin:

    Hallo,

    im Zusammenhang mit der technischen Ausstattung an Schulen wollte ich euch auf ein Konzept der Stadt Heidelberg aus Baden-Württemberg aufmerksam machen. Das Dokument nennt sich „H eidelberg, I nfrastruktur, Konzepte und T echnische Ausstattung an S chulen“ (HITS) und ist als Anlage zu einer Informationsvorlage [4] auf Anfrage der SPD-Gemeinderatsfraktion aus dem Jahr 2008 enthalten.
    Es gibt auch ein Piratenpad, indem eine Zusammenfassung des 28-seiten Dokuments steht. Erreichbar unter [5], dies ist jedoch die schreibgeschützte Version. Wer es bearbeiten will, kann es an entsprechender Stelle mit Ausstattung-an-Schulen ersetzen. Es sollte jedoch besser eine Kopie in einem neuen Pad erstellen und den Link im Pad verlinken ;).
    (Dies dient nur um etwaigen Vandalismus vorzubeugen bzw. den Trollen kein Futter zu geben.)

    Im Vergleich zum Heidelberger Konzept fällt mir eine (in meinen Augen eklatante) Schwäche des Berliner Konzepts auf und zwar ist auf Seite 103 des PDFs (bzw. Seite 9 von 24 der Anlage 2) unter Punkt 1.6 „Tertiärverkabelung (Etage)“ im zweiten Unterpunkt der Satz „Zu verwenden sind nur Kupferkabel[…]“ zu lesen. Bezogen auf die Zukunftsfähigkeit dieser Verkabelung sehe ich diese als nicht gegeben.

    Um ein zukunftssicheres Netz zu gewährleisten wählte das Amt für Schule und Bildung Heidelberg eine anderes Übertragungsmedium, nämlich Glasfaserkabel/Lichtwellenleiter. Die Gründe möchte ich aus dem HITS zitieren: „Diese Art der Verkabelung erscheint als die wirtschaftlichste und zukunftssicherste Alternative mit folgenden Vorteilen: 1. dienstneutral, 2. unterliegt keinen elektromagnetischen Störungen, 3. Längenrestriktionen können ausgeschlossen werden, 4.sogenannte Aktivkomponenten (Switche = Netzwerkverteiler), gibt es nur im Serverraum sowie am Endpunkt der Verkabelung und die präventiven Brandschutzforderungen sind leichter einzuhalten, 4. von einer Fachfirma zu erstellenden Messprotokolle, sind gleichzeitig eine durchgängige Dokumentation der Verkabelung“.
    Im Rahmen des Neubaues der Gregor-Mendel-Realschule (eröffnet: 2007) wurde im Jahr 2006 ein Ingenieursbüro beauftragt, die Kupferverkabelung (wie in Berlin) mit der vorgesehenen Glasfaserverkabelung zu vergleichen. Ergebnis dieses Vergleichs ist, dass beide Arten (etwa) gleiche Kosten haben. Jedoch ist inzwischen (2012) der Kupferpreis eher gestiegen und die Preise für Glasfaser gefallen, wodurch die Glasfaserverkabelung wirtschaftlicher ist und eher eingesetzt werden sollte.
    Daneben braucht man für die gleiche Leistung eines Glasfaserkabel die doppelte Menge an Kupfer, da diese im Halbduplex-Verfahren arbeitet, d.h. die Übertragung findet abwechselnd statt bzw. in eine Richtung mit voller Leistung oder in beide mit der Hälfte der eigentlich vorhandenen Leistung.

    Wenn ihr ein Konzept der „digitalen Schule“ erarbeiten wollt, empfehle ich euch neben den obigen HITS auch die Multimedia-Empfehlung (MME) [6] des Landes Baden-Württemberg von 2002. Jedoch geht das Konzept der Stadt Heidelberg in einigen Bereichen deutlich weiter, als die Empfehlungen des Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, den kommunalen Landesverbänden (Gemeindetag Baden-Württemberg, Städtetag Baden-Württemberg, Landkreistag Baden-Württemberg), Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart und einigen Städten.

    Gruss

    BBiwy

    Referenzen:

    [1] https://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/eeducation/eeducation_masterplan_berlin_2005.pdf
    [2] https://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/eeducation/ergaenzung_eeducation_masterplan_2009.pdf
    [3] https://www.berlin.de/sen/strukturfonds/ab2007/projektbeispiele/php/Download.php?CWTB=clnne22tk2rb6pvod87merg0v44ohf4f&mod=1016&pdf=76
    [4] http://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=16431
    [5] https://piratenpad.de/ro/r.l3wrY6aMVKJWiEIL
    [6] http://www.support-netz.de/uploads/tx_dcfiles/2002-MME.pdf

    • Jacky Neiwel

      Danke! Den Eeducation Masterplan hab ich schon versucht zu lesen, ich habe da nur Luftblasen rausinterpretieren können.

  5. 5

    Berliner Schüler sind in der Regel zufrieden (gestellt), wenn sie in ITG und Informatik surfen dürfen.

    Gute Gelegenheit für die ausgebrannten Lehrer, sich etwas zu regenerieren.

  6. 6

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