Am 22.08.2012 jähren sich zum 20. mal die erschütternden Ereignisse um das Pogrom von Neonazis und Einwohner/innen Lichtenhagens in deren Verlauf es zu mehreren schrecklichen Anschlägen auf Bewohner/innen einer Unterkunft für Asylbewerber/innen und vietnamesische Arbeiter/innen kam.

Kurz nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten zeigte dieser Angriff die tief verwurzelte „Fremden“-Feindlichkeit innerhalb der deutschen Gesellschaft. Als solche erkennbare Neonazis warfen unter dem Beifall viele Anwohner/innen mit Gegenständen und Brandflaschen auf das Haus und versuchten mehrfach, das Gebäude zu stürmen. Die Polizei griff nicht ein und lies den rassistischen Mob gewähren. Und auch die Rolle der deutschen Antifa-Szene ist nicht eben rühmlich zu nennen.

Die Nachwirkungen dieser Ereignisse sind bis heute zu spüren, da die deutsche Politik im Nachgang vor dem offen zur Schau getragenen Rassismus einknickte. Die menschenverachtenden Asylgesetze, wie sie heute noch in Kraft sind, wurden damals verabschiedet. Die Reaktion einer aufgeklärten und offenen, toleranten Gesellschaft hätte vollkommen anders ausfallen müssen. Die deutschen Politiker/innen wären in der Pflicht gewesen, sich öffentlich im Großen wie im Kleinen mit den Opfern zu solidarisieren statt sich den Forderungen der Täter/innen zu beugen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in der deutschen Politik oder den deutschen Medien bis heute kaum ein Zeichen der Aufarbeitung des August 1992 finden lässt. Während tausende Menschen als Zeichen der Solidarität mit den Opfern Nacht für Nacht in ganz Deutschland Lichterketten bildeten, titelten Spiegel & Co. von „Ausländerflut“ und schürten somit die diffuse Angst der Deutschen vor einer „Überfremdung“, die als Auslöser angeführt wurde um die Pogrome von Lichtenhagen, Mölln oder Solingen überhaupt erst möglich gemacht haben sollen.

20 Jahre danach ist weiterhin kaum etwas von der Schuld der Beteiligten vor Ort aufgearbeitet. Insgersamt 3! Neonazis wurden rechtskräftig verurteilt, in den Tatort-Gemeinden will man nicht über das Thema sprechen und die Massenmedien würden ihre Rolle gern inklusive der damaligen Artikel und Reportagen am liebsten einfach vergessen.

Deshalb unterstütze ich folgenden Aufruf der Piraten in Mecklenburg-Vorpommern und werde auch anwesend sein, wenn wir versuchen, 20 Jahre des Vergessens zu beenden und für eine Aufarbeitung und ein Schuldbekenntnis der deutschen Gesellschaft zu diesen Pogromen demonstrieren.

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Hallo Piraten, Interessenten und Mitleser,
am 22. August jähren sich zum 20. Mal die erschütternden Ereignisse der Anschläge auf die Unterkunft von Asylbewerbern und vietnamesischen Arbeitern in Lichtenhagen. Anlässlich dessen möchte die Bürgerinitiative in Zusammenarbeit verschiedenster Organisationen und Parteien ein friedliches Zeichen gegen rechtsextreme Ideologien setzen und dafür
sorgen, dass diese Pogrome nicht vergessen werden. Auch wenn ich es nicht erwähnen muss: diese Form der Demonstration entspricht thematisch unseren Grundwerten und unterstreicht den Beschlüssen von Chemnitz und Neu Münster.
Als Form der Aktion wurde die Fahrradsternfahrt, angemeldet für den 26.08.2012 gewählt und auch wir Piraten wurde gefragt, ob wir eine Teilstrecke übernehmen. Die rege Beteiligung am Rostocker Stammtisch konnten wir zusagen und es wird uns angeboten eine 2. Strecken zu übernehmen.
Die erste Strecke, die wir auf jeden Fall übernehmen:
Start: SBZ Lüttenklein (Danziger Str. 45) um 10:40
Strecke: Danziger → Rigaer Str. → Treffpunkt Lüttenklein A →
St. Petersburger → Schleswiger Straße → Eutiner Str.
Die zweite (optionale) Strecke: Start: SBZ Schmarl ASB „Haus 12“ (Am Schmarler Bach 1) 10:10
Strecke: Am Schmarler Bach → Kolumbusring → Bahnhof Lüttenklein
→ Alte Warnemünder Chaussee → Treffpunkt Schmarl (Auffahrt Busspur Ecke Warnowallee) → Warnowallee
Ich würde mich freuen, wenn wir in Rostock breit aufgestellt an dieser Fahrt teilnehmen können. Eingeladen, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen, sind neben den Piraten aus MV natürlich auch alle anderen Piraten. Allein ein Fahrrad (oder auch Skateboard, Inlineskates, etc) wird benötigt – und die Bahn bietet mit dem Wochenendticket auch die Möglichkeit der Fahrradmitnahme an. Eine Anmeldung zur Teilnahme ist nicht nötig, aber es wäre nett – dann könnten wir beide Angebote nutzen. Solche Teilnahmemeldungen sind überraschend einfach und formlos unter <michael.rudolph[at]piraten-mv.de> möglich.
Sollten Piraten nach Rostock kommen und auch hier übernachten wollen, werde ich entsprechend günstige Möglichkeiten eruieren und die Kontaktdaten weitervermitteln.
Vielen Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit
Michael Rudolph

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