Auf dem Bildungsforum der Friedrich-Ebert-Stiftung betonte die Bildungssenatorin Sandra Scheeres die herausragende Stellung der Gymnasien in der Berliner Schullandschaft.
Hierzu sagt Martin Delius, bildungspolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus:

„Das zweigliedrige System staatlicher Sekundarschulen in Berlin hat allein beim diesjährigen Schulanfang zu massiven Problemen beim Übergang in die Sekundarstufe geführt. Rückläuferklassen und sogar ganze Minischulen aus Rückläufern bedeuten große soziale Probleme und demotivieren ganze Klassenverbände von Schülerinnen und Schülern.

Dass Frau Scheeres nun die Position der Gymnasien als Eliteschulen festschreibt, indem sie die Notwendigkeit der Leistungsdifferenzierung betont, ist das falsche politische Signal und verunsichert Schülerinnen und Schüler weiterhin, die unter dem ständigen Druck leistungsbzogener Selektion stehen.

Ich kann Frau Scheeres nur davor warnen, die vielfältige Bildungslandschaft in Berlin zu ignorieren und lediglich über zwei Schulformen zu diskutieren. Das breite Angebot an freien Schulen, wie z.B. Montessori- oder Waldorfschulen, die Vielfalt an demokratischen Schulen oder Schulen in kirchlicher Trägerschaft bieten für viele Schülerinnen und Schüler angemessenere Lernorte als das starre staatliche System von Elite- und Restschulen. Die Senatorin täte gut daran, dieses Engagement und Angebot zu fördern, um den Zugang zu alternativen Schulformen nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen.

Was die Senatorin außerdem völlig vergisst, ist der innovative und erfolgreiche Ansatz der Berliner Gemeinschaftsschulen, der von den Berliner Piraten als die bislang beste Möglichkeit staatlich organisierten Unterrichts angesehen wird. Im Sinne der Chancengerechtigkeit im Bildungssystem muss die Politik des Senats darauf hinarbeiten, selektive Prozesse aus den individuellen Bildungswegen der Berliner Kinder und Jugendlichen möglichst fernzuhalten, statt sie innerhalb und mit Gymnasien noch zu fördern.

Gemeinschaftsschulen müssen die Möglichkeit bekommen, ebenfalls ein Abitur für ihre Schülerinnen und Schüler anzubieten und Schulen in freier Trägerschaft müssen leichter und unbürokratischer als bisher alternative Unterrichtsmodelle anerkannt bekommen. Wenn Frau Scheeres das Motto ‚Gleichwertig, aber nicht gleichartig‘ ernst meinte, dürfte sie nicht zulassen, dass die ungerechtfertigten Gräben zwischen Gymnasiasten und allen anderen Schülerinnen und Schülern weiter aufgerissen werden.“

Fotos von Martin Delius: http://www.flickr.com/photos/piratenfraktionb/sets/72157629232844956/

5 Kommentare

  1. 1

    Vielleicht zu einfach gedacht – aber Gymnasien tragen zur Bildung von Eliten in einer Wettbewerbsgesellschaft bei.

  2. 2
    Jacky Neiwel

    Kann oder darf man sich wirklich als Pirat soo tief bücken, dass man „Schulen in kirchlicher Trägerschaft“ in einer offiziellen Pressemitteilung anpreist? Jeder weiß, dass sie im Durchschnitt besser sind, aber das liegt schlicht daran, dass die einfach mehr Geld zur Verfügung haben weil zur staatlichen noch kirchliche Kohlen zugeschossen werden. Das ist doch kein Umstand den man in den Himmel loben muss, zumal ihr in Berlin ansonsten Religionsunterricht üblicherweise zum Glück gestrichen habt.

  3. 3

    Geld ist nicht alles.
    Kommt auch nicht von den Kirchen, sondern von den Eltern.

    Die Beschulung eines Berliner Schülers ist die teuerste in der ganzen Republik.
    Und keiner wird wohl behaupten wollen, dass das mit dem Output korrespondiert.

    Der Spirit, der genius loci, die „Schulatmosphäre“ – darauf kommt es an.

    Wichtig auch: Schlechte Lehrer werden die schneller wieder los, bzw. stellen die erst gar nicht ein.

    Und der meiner Meinung nach wichtigste Vorteil der privaten Schulen: Sie müssen nicht alle paar Jahre eine „Strukturreform“ erdulden.

    Mit solchen „Reformen“ hat man dem Berliner Schulwesen den letzten Todesstoß versetzt.
    Nur noch übertroffen vom Sparprojekt „Gemeinschaftsschule“.
    Ein Meisterstück der SPD: Sich auf allen wichtigen Politikfeldern während Rot-Rot durchsetzen und die LINKE mit diesem ideologische Bonbon für ihre Wahlklientel abspeisen.

    • Jacky Neiwel

      Das klingt für mich auch sehr plausibel, außer dass die Berliner Beschulung die teuerste sei und dies nicht den Output verbessern würde. Ich habe den Eindruck Berlin hat auch die meisten Ganztagsschulen brauch also sowieso schon mehr Geld für mehr betriebenen Aufwand. Zudem hat Berlin den wohl größten „Migrationshintergrundanteil“(vermutlich das bescheuertste Wort im ganzem Blog) Da werden noch ganz andere Anforderungen an das Personal gestellt.

      Zu meiner Schulzeit wars noch Gang und Gebe, dass ein Lehrer morgens um 8 anfing, um spätestens viertel nach 1 Feierabend hatte und hin und wieder ne Klassenarbeit kontrollieren musste und ich bin 25. Abseits der Elternsprechtage hatten manche Lehrer, die immer die selben Klassenarbeiten schrieben, ansonsten Freizeit. Die haben sich nicht um unser Privatleben gescherrt ob da alles klar geht und das war auch überhaupt nicht notwendig. Schon 2 Jahre nach meinem Abschluss wurden in meiner Schule Drogentests und Schwangerschaftstests(natürlich nur vereinzelnd und mit Erlaubnis der Erziehungsberechtigten, aber sowas GEHT ECHT ZU WEIT) abgenommen-dass bei solchen Methoden die zwangsläufig eine Ganztagsschule mit sich bringt, weil die Eltern natürlich nix mehr mit ihren Kindern zu tun haben-sich niemand mehr auf den Unterrichtsstoff konzentriert klingt für mich zumindest plausibel.

      Daher war ich auch immer strikt gegen Ganzstagsschulen in JEDER Form. Der Kopf eines jungen Menschen kommt m.M.n besser klar, wenn er Lernzeit und Privatleben trennen kann.

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