Das Bundesinnenministerium hat die umstrittene Plakatkampagne „Vermisst“ vorerst gestoppt. Seit heute hätten großformatige Plakate in Berlin und weiteren großen Städten dazu aufrufen sollen, „Auffälligkeiten“, die auf eine islamische Radikalisierungen von Freunden oder Bekannten hinweisen könnten, bei einer eigens dafür eingerichteten Hotline anzuzeigen.

Gegen die Plakatkampagne haben sich bislang nicht nur muslimische Verbände ausgesprochen; der Protest erfolgte aus unterschiedlichen politischen Lagern und gesellschaftlichen Gruppen.

Zu den Vorgängen sagt Fabio Reinhardt, integrationspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Die Kampagne muss nicht nur einstweilig sondern komplett gestoppt werden.
Mit dieser Angstmacherei begibt sich das Ministerium auf das Niveau von Gruppen wie Pro Deutschland herab, die ein verzerrtes Bild des Islams vermitteln und somit Hass schüren anstatt zu deeskalieren. Dass der Minister dies erst jetzt, im Zuge der aktuellen die Entwicklungen um den derzeit zirkulierenden Anti-Islam-Film einsieht, zeigt, dass er die Tragweite seiner Handlungen nicht überblickt.
Der jetzt erfolgte Rückzieher wird lediglich mit der „aktuellen Gefährdungsbewertung des Bundeskriminamtes“ begründet. Augenscheinlich hält man im Innenminsterium nur den Zeitpunkt des Starts für unglücklich, die Kampagne selbst aber nach wie vor für gut. Die Begründung vermittelt den Eindruck, die durch das Islam-Schmähvideo hervorgerufenen, international grassierenden gewalttätigen Proteste hätten ihre Wirkung gezeigt und man erwarte nun ähnliche Reaktionen in Deutschland. Dies ist eine unhaltbare Unterstellung.
Gerade in einer Stadt wie Berlin, die sich ihrer Weltoffenheit und Toleranz rühmt, haben diese Plakate nichts verloren. Sie würden Spitzelei und Denunziantentum Vorschub leisten, ohne dass sie ernsthaft helfen könnten, religiös motivierten Terror zu unterbinden. Für letzteres ist eine durchdachte, nachhaltige Integrationspolitik der sinnvollste Ansatz.“

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