Seit September liegt der Bildungssenatorin Scheeres der Bericht der Baumert-Kommission mit den Reformvorschlägen zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung vor. Er wurde im Ausschuss für Wissenschaft und im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie bereits beraten und fand dort breite Zustimmung bei den Abgeordneten. Eine eingehende Diskussion zu den Vorschlägen ist an den Universitäten, unter Fachdidaktikern und Lehrern entbrannt. Fachgremien, wie der Ausschuss für Lehrerbildung in Berlin, mahnen zur Eile angesichts der längst überfälligen Anpassung der Lehrerbildung an die aktuellen Anforderungen und letzten Schulreformen. Ausgerechnet jetzt schießt die CDU innerhalb der Koalition quer und stellt sich gegen die dringend notwendige Reform der Lehrerbildung in Berlin. Dabei kritisiert die Berliner CDU die Reform in nur einem Punkt: Gymnasiallehrer sollen keinen Ausbildungsvorsprung mehr vor anderen Sekundarschullehrern bekommen. Aber dadurch gerät das ganze Projekt ins Wanken.

Hierzu sagt Martin Delius, bildungs- und wissenschaftspolitischer Sprecher der Fraktion der PIRATEN im Berliner Abgeordnetenhaus:

„Dass die Berliner CDU nun so tut, als würden künftige Gymnasiallehrerinnen und -lehrer durch die Vorschläge der Baumer-Kommission schlechter gestellt und den so genannten Schulfrieden gefährdet sieht, ist blanker Hohn. Eine Reform der Lehrerbildung in Berlin ist nicht erst seit den letzten Schulreformen längst notwendig und wesentlich vielschichtiger als die Kritik der CDU vermuten lässt. Die Berliner CDU geht mit ihrer Kritik an den Reformvorschlägen das Risiko ein, dass die sinnvollen Reformen der letzten Jahre ins Leere laufen.

Wir begrüßen, dass das Berliner Schulsystem hin zu mehr binnendifferenziertem Unterricht und weniger Selektion durch Schulformen umgebaut wurde. Gesetzgebung und Verwaltung allein können das jedoch nicht stemmen. Wir brauchen eine neue Lehrerinnen- und Lehrerbildung, um sinnvolle Programme wie jahrgangsübergreifendes Lernen und inklusiven Unterricht überhaupt umsetzen zu können, denn am Ende sind es die Lehrkräfte, von denen der Erfolg der letzten Reformen abhängt.

Die Zeit drängt, denn schon zum Wintersemester 2013/2014 müssen die ersten neuen Studiengänge zur Lehrerausbildung starten können. Die von Baumert angeregten umfangreichen strukturellen Veränderungen in Schulen und Universitäten mit den sogenannten „Schools of Education“ und verpflichtenden Praktika sind sinnvoll und müssen früh vorbereitet werden. Die Betroffenen drängen seit Jahren auf die Reform und brauchen hierzu klare Ansagen von Seiten des Senats. Als Abgeordneter muss ich Anfang nächsten Jahres schnellstmöglich über die konkrete Ausgestaltung und Finanzierung der Reform diskutieren können, damit der enge Zeitplan eingehalten werden kann. Dabei können weder der Senat noch die betroffenen Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler Knüppel zwischen den Beinen gebrauchen, wie sie die CDU gerade wirft.

Es steht außer Frage, dass eine Lehrerbildungsreform nicht an der Halsstarrigkeit des kleinen Koalitionspartners scheitern darf. Wie schon beim Wahlalter ab 16 bieten wir der SPD auch in dieser Sache den konstruktiven Dialog und grundsätzliche Zustimmung zur Reform an. Die Piratenfraktion wird sich an der schnellen Durch- und Umsetzung beteiligen und steht der Reform insgesamt offen gegenüber.“

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