Die BVG senkt Busse beim Öffnen der Türen auch weiterhin nicht automatisch ab. Dies geht aus der Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenfraktion hervor, die sich mit dem Ende des Modellprojekts „Bedarfskneeling“ zum 31. Januar 2013 befasst. Im Gegensatz zum bisher üblichen „automatischem Kneeling“ neigt sich der Bus beim „Bedarfskneeling“ nicht mehr auf Gehsteigniveau ab, wenn der Fahrer die Türen öffnet. Vielmehr ist eine Aufforderung durch den Fahrgast nötig. Es ist zu bezweifeln, dass diese technische Umstellung, die im Zuge des Modellprojekts eingeführt wurde, jemals rückgängig gemacht wird. Auf der BVG-Website wird zum Thema  „Barrierefrei mit dem Bus durch Berlin“ bereits allein das „Bedarfskneeling“ beworben. Die BVG hatte bereits im April 2012 angekündigt, in Zukunft nur noch “Bedarfskneeling“ anbieten zu wollen. Dabei erwies sich die Aussage, das entspräche der Standardausstattung bei der Neuanschaffung von Bussen, als glatte Fehlinformation. In der Befragung im Sozialausschuss des Abgeordnetenhauses am 4. September 2012 musste der Vertreter der BVG einräumen, dass bei neuen Bussen beide Betriebsarten möglich sind.

Dazu sagt Alexander Spies, sozialpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Mit der Abschaffung des automatischen ‚In-die-Knie-Gehens‘ der Busse beim Öffnen der Türen wird das Einsteigen für seh- und gehbehinderte Menschen nachhaltig erschwert. Berlin wurde in diesem Jahr mit dem ‚Access City Award‘ der EU zur ‚europäischen Hauptstadt der Barrierefreiheit‘ gekürt. Die BVG will daran offensichtlich keinen Anteil mehr haben. Besonders frappierend ist, dass die BVG das „Bedarfskneeling“ durch die Hintertür einführen möchte. Bisher wurde stets betont, dass es sich bei den umgerüsteten Bussen lediglich um ein Modellprojekt handele. Ein Modellprojekt hat einen Anfang und ein Ende, nachdem die Ergebnisse ausgewertet werden. Wir fordern, dass alle Berliner Busse automatisch kneelen, bis eine Evaluation des Modellprojekts von einer unabhängigen Stelle vorgenommen wird. Insbesondere Behindertenverbände sind in die Ergebnisauswertung einzubeziehen. Barrierefreiheit bedeutet mehr Lebensqualität für alle Menschen in der Stadt. Die Rolle rückwärts der BVG ist unverständlich und nicht hinnehmbar.“

Links:

Parlamentarische Anfrage der Piratenfraktion (Drucksache 17/20269):

http://redmine.piratenfraktion-berlin.de/dmsf_files/5844?download=

Informationen zur „barrierefreien Beförderung“ mit Bussen der BVG:

http://www.bvg.de/index.php/de/3930/name/Barrierefreie+Befoerderung.html

Protokoll der Anhörung im Sozialausschuss:

http://www.parlament-berlin.de/ados/17/GesSoz/protokoll/gs17-010-wp.pdf

Informationen zum „Access City Award“ der EU

http://ec.europa.eu/justice/discrimination/disabilities/award/index_de.htm

 

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