Gestern berichteten Bild und B.Z., letztere sogar mit Anreißer auf der Titelseite, über den angeblichen „Veggie-Day 2.0“-Antrag der Piraten. Simon Kowalewski erklärt, wie es zu dem Antrag kam und warum er anders ist als der vor kurzem im Parlament behandelte Veggie-Day-Antrag:

Letzter wurde nach einem parlamentarischen Abend des Vegetarierbund Deutschland e. V. und der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt zum Thema Veggie-Day, an dem Vertreter_innen aller Oppositionsfraktionen im Abgeordnetenhaus teilnahmen, und nah an der Beschlussfassung anderer Städte, die den Veggie-Day bereits eingeführt haben, von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 13.03.2013 eingereicht und nach mehrfacher Vertagung am 26.09.2013 mit den Stimmen der Koalition und einiger Piraten abgelehnt.

Der Antrag forderte zusammengefasst, dass alle öffentlichen Kantinen in Berlin an einem Tag der Woche ausschließlich vegetarische Gerichte anbieten sollen. Der Antrag äußerte sich nicht explizit zu allen anderen Tagen der Woche oder zu einem Essensangebot, das nicht nur fleischfrei, sondern frei von allen tierischen Bestandteilen ist.

Pessimistisch interpretiert hätte er also bedeutet, dass sich für Vegetarier_innen und Veganer_innen an vier Tagen der Woche nichts verbessert hätte und Menschen, die Fleisch essen wollen, an diesem Tag der Kantine fernbleiben würden. Diese Interpretation, die nur dann möglich ist, wenn die positiven Erfahrungen mit dem Veggie-Day dort, wo er bereits eingeführt ist, ignoriert werden, wurde vor der Bundestagswahl leider von vielen Massenmedien befördert, ein damaliger Bundestagsabgeordneter der FDP verglich den Veggie-Day sogar mit Volksgesundheits-Kampagnen der NS-Herrschaft.

In der Piratenfraktion wurde in der Fraktionssitzung vor der zweiten Lesung der Antrag sehr kontrovers diskutiert, während dieser Debatte entstand die Idee, statt dessen einen Antrag einzubringen, der eine vegetarische und vegane Ernährung in Kantinen ermöglicht bzw. verbessert, ohne denen, die Fleisch essen wollen, etwas wegzunehmen.

Im Rückgriff auf die erfolgreiche Liquid-Feedback-Programminitiative „Barrierefreies Essen für Alle“ entwickelte daraufhin der Squad Tierrecht und Verbraucherschutz den vorliegenden Antrag, der von der Piratenfraktion einstimmig eingebracht wurde.

Der Antrag fordert, dass Vegetarier_innen in Kantinen die Auswahl aus mindestens zwei vollwertigen Gerichten haben sollen und Veganer_innen zumindest ein Vollgericht vorfinden, und das an jedem Tag. Davon profitieren natürlich auch Nichtvegetarier_innen, weil die Auswahl insgesamt größer wird und wer Fleisch essen will das trotzdem tun kann, ebenfalls an jedem Tag. Somit werden Kantinen attraktiver und bieten allen mehr Freiheit, statt durch weniger Auswahl weniger attraktiv zu werden. Und die Vorteile des Veggie-Day, also die Reduzierung von Leid und ein positiver Einfluss auf die Welternährungssituation und das globale Klima, werden trotzdem verwirklicht.

Ein Kommentar

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    „Der Antrag fordert, dass Vegetarier in Kantinen die Auswahl aus mindestens zwei vollwertigen Gerichten haben sollen und Veganer zumindest ein Vollgericht vorfinden, und das an jedem Tag. Davon profitieren natürlich auch Nichtvegetarier, weil die Auswahl insgesamt größer wird und wer Fleisch essen will das trotzdem tun kann, ebenfalls an jedem Tag. “

    Sorry, ich will nicht stänkern. Aber: Kantinen die allein wegen ihrer Größe maximal 2-3 Gerichte anbieten, werden mit diesem Antrag zu reinen Vegetarier-Kantinen. Der Antrag ist einfach völlig weltfremd und geht scheinbar davon aus das jede Kantine stark genug frequentiert wird um 5 oder mehr Gerichte anzubieten.

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