Der Gedenktag gegen Gewalt an Frauen am 25. November steht unter dem diesjährigen Schwerpunkt „Sexualisierte Gewalt – Vergewaltigung, das ungesühnte Verbrechen!“. Sowohl die Gesetzeslage als auch der gesellschaftliche Umgang mit sexualisierter Gewalt sind massiv reformbedürftig. Sexuelle Übergriffe, die juristische Laien klar als Vergewaltigung bezeichnen würden, erfüllen diesen Straftatbestand oftmals gar nicht und selbst überführte Täter kommen immer wieder ungeschoren davon. Nicht selten werden die Opfer sogar beschuldigt, die Tat durch Kleidung oder Verhalten selbst herbeigeführt zu haben, und so trauen sie sich im Zweifelsfall nicht, die Vergewaltigung zur Anzeige zu bringen. Dies gilt insbesondere, wenn die Vergewaltigung im häuslichen Umfeld stattgefunden hat, was in der Mehrzahl der Übergriffe zutrifft. In diesen Fällen kommt noch die die finanzielle Abhängigkeit vom Ehepartner hinzu, die vom Ehegattensplitting subventioniert wird. Oftmals nehmen Frauen dann lieber den unerträglichen Machtmissbrauch in der Familie hin, als wirtschaftliche Risiken in einer Gesellschaft einzugehen, die vielfach den Wert von Menschen nach ihrem finanziellen Umsatz bemisst.

Dazu sagt Simon Kowalewski, frauenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus:

„Es ist wichtig, endlich im Strafgesetzbuch abzubilden, dass ein Nein auch wirklich eine klare Grenze setzen muss. Die zukünftige Bundesregierung muss die sexuelle Selbstbestimmung schützen, insbesondere wenn sie mit Gewalt ausgehebelt wird, und muss zügig die entsprechenden Gesetze erlassen.

Viel zu oft wird die Gewalttat gar nicht erst nicht angezeigt, da sich herumgesprochen hat, dass die meisten Anzeigen ohnehin im Sande verlaufen – weil entweder kein Tatvorsatz festgestellt werden kann oder die Beweislage zu dünn ist. Berlin hat trotz eines entsprechenden Antrags der Piratenfraktion leider die Chance versäumt, eine Gewaltschutzambulanz mit genügend Mitteln auszustatten, um eine bestmögliche medizinische Behandlung und eine anonyme Spurensicherung bei sexualisierter Gewalt zu ermöglichen. Und so bleibt den traumarisierten Geschädigten von sexualisierter Gewalt auch weiterhin keine andere Chance als sofort Anzeige zu erstatten, ohne auch nur die Möglichkeit zu haben, den ersten Schock zu verdauen – oder den nächsten Zug nach Hamburg nehmen, um dort die Rechtsmedizinische Untersuchungsstelle aufzusuchen. Eine traurige Perspektive für die Betroffenen in der Bundeshauptstadt Berlin.“

Was denkst du?

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.