BER-untersuchungsausschuss auf dem Flughafen

Der Piratenfraktion wurden weitere Dokumente zugeleitet, die eine der Theorien zu den möglichen Ursachen für das BER-Desaster untermauern. Die Firma Drees & Sommer (D&S) kritisierte demnach schon 2008 und 2009 die gewünschten Änderungen des Nutzungskonzeptes und die geplanten Umbauten am Terminal scharf. Besonders die parallele Planung und Ausführung wurde schon damals für Termin- und Kostenrisiken verantwortlich gemacht.

Bei den Schriftsätzen handelt es sich um Projektstatusberichte aus den Jahren 2008 und 2009, das eine Ergebnisprotokoll einer Geschäftsführungssitzung der Flughafengesellschaft von 2008 sowie zwei Gutachten zur Verschiebung des für 2011 angesetzten Eröffnungstermins (CBP, 2008) und zu den Projektstrategiekosten für das Terminal (D&S, 2008).

Besonders das Ergebnisprotokoll der GF-Sitzung am 10.11.2008 verdeutlicht, wie eindringlich Drees & Sommer an die Geschäftsführung berichtete. Demzufolge prognostizierten die Berater*innen bereits damals aufgrund der vielfältigen Planungsänderungen zu der Zeit Kostensteigerungen für das Terminal und wiesen zudem auf die erheblichen Risiken der parallelen Planung und Bauausführungen für Termin- und Kostenrahmen hin.

Explizit benennt D&S

fehlende Planungstiefe durch baubegleitende Planung sowie in die Planung zu integrierende Nutzungsänderungen

als Risiko und macht darüber hinaus schon 2008 das

Risiko von weiteren Kostentreibern durch hohes Nachtragspotenzial wegen unscharfer Ausschreibungen und durch Maßnahmen zur Stabilisierung von gestörten Planungs- und Bauabläufen

für die damals geplante Eröffnung im Oktober 2011 aus. Natürlich muss sich der Untersuchungsausschuss in den kommenden Vernehmungen der Controller*innen von CBP und der Berater*innen von Drees & Sommer noch ein genaueres Bild machen; allerdings scheinen sich hier die Anschuldigungen gegen die damaligen Verantwortlichen innerhalb der Flughafengesellschaft zu bestätigen. Mehrere Zeug*innen haben die Geschäftsführung in den letzten Monaten gerade bezüglich der Planungsänderungen, der Vergabestrategie und der immer weiter außer Kontrolle geratenen Planungsprozesse seit 2009 als unbelehrbar und beratungsresitent dargestellt. Das bestätigt sich auch in dem zitierten Ergebnisprotokoll, denn trotz des deutlichen Vortrags von Drees & Sommer in der Sitzung sowie dem Aufzeigen von alternativer Termin- und Vergabeszenarien mit sicherem Termin bis April 2013 und möglichen Einsparungen von 170,- Millionen Euro lautete der Beschluss der Geschäftsführung lapidar:

Es wird von FBS festgelegt, dass für die AR-Vorbereitung die Variante 1 Eröffnung Oktober 2011 unter zur Kenntnisnahme der damit verbundenen Termin- und Kostenrisiken verfolgt wird.

Begründet ist dies mit dem “wirtschaftlich geringen Erfolg” der Maßnahme gegenüber der unbeliebten Terminverschiebung. Im Protokoll wird weiter ausgeführt, dass die zusätzlichen Kosten leicht durch die Einnahmen aus dem Betrieb Tegels gedeckt werden könnten.

Es wird zu prüfen sein, ob die Flughafengesellschaft trotz der Warnungen unverantwortlich mit den betrieblichen Ressourcen umgegangen ist und inwieweit die gewählte Strategie der Planungsänderungen während der Bauphase zu einer unzulässigen strukturellen Belastung für die Flughafengesellschaft geworden ist.

In den anderen verlinkten Dokumenten finden sich weitere Hinweise und Zahlen, die die Einschätzungen von Drees&Sommer untermauen.

Auswirkungen auf die Gegenwart

Glaubt man den Aussagen des Planers Hans-Joachim Paap vor dem Untersuchungsausschuss, konnten die aus den massiven Planungsänderungen resultierenden ständigen Umplanungen bis 2012 nicht konsolidiert werden. Es entsteht der Eindruck, dass immer neue Wünsche und Eingriffe seitens der Geschäftsführung selbst die erfahrenen Planer*innen der pg bbi in die Knie gezwungen haben.

Wie das geschehen konnte und wer am Ende die Verantwortung dafür trägt, werden wir noch herauszufinden haben. Denkbar scheint allerdings, dass die Flughafengesellschaft schon viel früher als bisher gedacht, von der Steuerung und Finanzierung des Bauvorhabens BER überfordert war.

Ausblick

Der Untersuchungsausschuss wird sich in den nächsten Wochen noch genauer mit den Planungs- und Objektüberwachungsprozessen beschäftigen. Die hier genannten Dokumente sind hilfreich dafür, endlich Licht in das Dunkel der Verantwortlichkeiten und Schulzuweisungen zwischen Planer*innen, Controller*innen und Geschäftsleitung zu bringen.

Sollten sich die Anschuldigungen gegen die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft als wahr herausstellen, wird auch zu prüfen sein, inwieweit der Aufsichtsrat bewusst den Kostenrahmen und jeden weiteren Eröffnungstermin zur aufs Spiel gesetzt hat.

Ein Kommentar

  1. 1

    Ja, die verantwortlichen Politiker leben ihre Macht maßlos über Steuergeld und Befehle aus. Deshalb haben wir so viele Paddexpolitiker.

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