Der Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel vernahm in seiner heutigen Sitzung den ehemaligen Geschäftsführer der WSP CBP Airport GmbH Christian Manninger. WSP CBP ist seit 2004 mit der Projektsteuerung beim Bau des Flughafens BER beauftragt.

Hierzu sagt Martin Delius, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses BER:

„Laut der Aussage von Herrn Manninger waren die Verzögerungen beim Bau des Flughafens bereits seit Herbst 2011 deutlich erkennbar. Der Projektsteuerung war klar, dass teilweise ohne vorliegende Pläne gebaut wurde. Laut Manninger hat dies der Geschäftsführer Körtgen zu verantworten. Dies führte zu großen Störungen im Projektverlauf und schließlich zu massiven Verzögerungen. Innerhalb des Projektes konnte man sich offenbar nicht mal auf eine einheitliche Projektdokumentation einigen. So benutzte WSP CBP eine bestimmte Datenbank, die aber von der Flughafengesellschaft nicht bestellt und nicht bezahlt worden war. Demnach benutzten nicht alle Projektbeteiligten dieses Dokumentationsinstrument.
Kein Wunder, dass nach der Verschiebung der Inbetriebnahme im Mai 2012 zunächst eine grundlegende Bestandsaufnahme stattfinden musste.

Herr Manninger wies zudem deutlich darauf hin, dass Controllingberichte, die zur Information des Aufsichtsrats erstellt wurden, gegen die Empfehlungen und gegen den Willen der Projektsteuerung durch die Geschäftsführung geändert wurden. So schilderte Manninger einen Fall vom April 2012, wo auf Intervention von Manfred Körtgen, im letzten Controllingbericht vor der Verschiebung bezüglich des Eröffnungstermins, aus der Formulierung ‚äußerst kritisch‘ ein einfaches ‚kritisch‘ gemacht wurde. Der Aufsichtsrat sollte hier anscheinend über den tatsächlichen Zustand der BER-Baustelle getäuscht werden.

Laut Manningers Ausführungen herrschte nach Verschiebung der Inbetriebnahme ein großes Chaos auf der Baustelle und innerhalb der Flughafengesellschaft selbst. So habe es nach der Kündigung der Planer von pg bbi kein Leistungsbild für die Projektsteuerung mehr gegeben. Auch ein Ansprechpartner sei nicht mehr vorhanden gewesen. Der Zustand der Flughafengesellschaft und des Projekts BER war ab Mai 2012 unübersichtlich und schlecht strukturiert. So sei nach der Verschiebung zwar viel auf der Baustelle passiert, allerdings ungeregelt.

Durch die überstürzten und unprofessionellen Entscheidungen des Aufsichtsrats zum Krisenmanagement der Flughafengesellschaft, wurde das gesamte Projekt Flughafenbau zurückgeworfen und noch chaotischer als vorher schon ausgerichtet.“

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