Der Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel vernahm in seiner heutigen Sitzung den ehemaligen Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Rainer Schwarz.

Hierzu sagt Martin Delius:

„Das heute von Herrn Schwarz gegenüber dem Untersuchungsausschuss an den Tag gelegte Verhalten war vollkommen inakzeptabel.
Mit seiner überheblichen Verweigerungshaltung hat Schwarz bewiesen, dass er keinerlei Respekt vor den parlamentarischen Prozessen hat. An Aufklärung über seine Verantwortung am BER-Debakel ist ihm nach wie vor nicht gelegen.

Erneut verschanzte sich Schwarz hinter der Schutzbehauptung, nicht für technische Fragen zuständig gewesen zu sein. Wenn man die heute von Herrn Schwarz getroffenen Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss ernst nimmt, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Herr Schwarz weder einen Überblick über das Projekt BER hatte noch sich sonderlich für die Projektabläufe interessierte. Die Einsicht, dass er damit seiner Verantwortung als Geschäftsführer nicht nachgekommen ist, ließ Schwarz deutlich vermissen.

So konnte Schwarz sich zum Beispiel nicht an einen Bericht des Construction Managers Drees & Sommer vom Dezember 2008 erinnern, in dem vor einer massiven Gefährdung des ursprünglichen Eröffnungstermins im Oktober 2011 gewarnt wurde. Angeblich hätten solche Berichte für ihn keine Relevanz gehabt. Dr. Schwarz hatte die von Drees & Sommer kritisierten Nutzungsänderungen maßgeblich zu verantworten, sich aber nicht um die Bewertung und Risiken gekümmert.

Schwarz widerspricht den Aussagen seines technischen Geschäftsführers Manfred Körtgen. Dieser hatte Rainer Schwarz vorgeworfen, die umfangreichen Planänderungen gegen den Willen der Techniker am BER durchgesetzt zu haben. Schwarz musste im Rahmen der Befragung zugeben, dass er sehr wohl an Körtgen vorbei mit dem Leiter des Baubereichs  Joachim Korkhaus zusammengearbeitet hatte. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Schwarz gegen alle Vernunft schon sehr früh die Abläufe am BER gestört hat.

Zu den Vorgängen im Projekt BER konnte oder wollte Herr Schwarz keine eingehenderen Auskünfte geben. So war ihm laut seiner Aussage der tatsächliche Zustand der Baustelle, auf der zum Teil ohne Pläne drauflos gebaut wurde, nicht bekannt. Weder die Zustände auf der Baustelle kurz vor der geplanten Inbetriebnahme 2012 noch die genauen Abläufe des Projektcontrollings haben den Geschäftsführer interessiert.

Ein Geschäftsführer, der einen derart eingeschränkten Überblick gehabt haben will, war offensichtlich von Beginn an fehlbesetzt. Es drängt sich die Frage auf, warum der Aufsichtsrat noch bis 2013 an Schwarz festhielt.

Aus der Befragung ist auch offensichtlich geworden, dass Herr Schwarz schon im Mai 2012 die Öffentlichkeit bewusst hinters Licht geführt hat. Er behauptete in einer Sitzung des Bauausschusses am 18. Mai 2012, den Aufsichtsrat nicht über ein Schreiben von McKinsey vom März 2012 informiert zu haben. Dabei unterschlug er dem Ausschuss des Abgeordnetenhauses aber die Information, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrates sehr wohl informiert gewesen ist. Warum Schwarz diese Informationen zurückhielt und ob dies zum Schutz seiner Anstellung und des Regierenden Bürgermeisters geschah, bleibt derzeit noch unklar.“

Ein Kommentar

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    Wenn man weiß wer schuld hat, hat der Tag Struktur. Herr Abgeordneter

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