In seiner heutigen Sitzung vernahm der Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel die ehemalige operative Leiterin der Projektsteuerung WSP CBP Ariane Graf-Hertling.

Hierzu sagt Martin Delius, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses:

„Frau Graf-Hertling stellte als Leiterin der Projektsteuerung schon im April 2010 den Eröffnungstermin 2011 gegenüber beiden Geschäftsführern in Frage. Daraufhin galt sie für die Geschäftsführung als ‚persona non grata‘ und wurde am Ende auf Anweisung der FBB kaltgestellt. Nach Vertrag mit dem Projektsteuerer waren solche Personalentscheidungen alleiniges Recht der Geschäftsführung.

Mit ihrer Aussage bestätigte Graf-Hertling die Einschätzungen anderer Zeugen zur Ignoranz der Geschäftsführung gegenüber kritischen Stimmen. Schwarz und Körtgen hatten eine Unternehmenskultur etabliert, die dazu führte, dass eine übergeordnete Steuerung und notwendige Absprachen nicht stattfinden konnten. Laut Graf-Hertling hätten sich in diesem Klima viele einfach ‚weggeduckt‘.

Nachdem 2010 von der Projektsteuerung eine Verschiebung des Inbetriebnahmetermins in den Raum gestellt worden war, begann Schwarz laut Graf-Hertling, sich intensiver mit dem Projekt zu befassen. Er habe sich im Detail berichten lassen, welche Ursachen einzelne kritische Situationen hatten. Demnach war Schwarz spätestens seit 2010 im Detail über die krisenhafte Entwicklung des Projekts informiert. Es steht der dringende Verdacht im Raum, dass Schwarz hierzu nicht nur vor dem Untersuchungsausschuss falsche Angaben gemacht hat, sondern auch das Abgeordnetenhaus in verschiedenen Ausschusssitzungen, das Landgericht Berlin und die Soko BER des Bundesverkehrsministeriums über seine tatsächliche Rolle im Projekt BER getäuscht hat. Wir sehen es als erwiesen an, dass Rainer Schwarz außerhalb seines Bereichs Verantwortung für das Projekt BER übernommen hat. Die Frage der Verantwortung und Haftbarkeit von Herrn Schwarz für das BER-Desaster muss erneut gestellt werden!

Bemerkenswert ist weiterhin, dass Graf-Hertling nach der Entlassung von Drees & Sommer das Fehlen eines Construction-Managers kritisierte. Es ist für uns offensichtlich, dass die Flughafengesellschaft keine geordnete Gesamtsteuerung der vielen einzelnen Teilprojekte zuließ. Das wurde durch die Zeugin bestätigt. Eine stichhaltige Begründung für die Kündigung des Construction-Managers fehlt noch immer. Die von Drees & Sommer deutlich geübte Kritik am Zustand des Projekts BER und der Flughafengesellschaft war zu unangenehm und wurde ignoriert.

Schwarz stellte sich bezüglich der zahlreichen Nutzungsänderungen, die wiederum Umplanungen und Umbauten zur Folge hatten, gegen die Empfehlungen der Projektsteuerung. Mit diesem Verhalten gefährdete Schwarz aktiv den Verlauf des gesamten Projekts. Dies können wir mittlerweile als erwiesen ansehen.“

Ein Kommentar

  1. 1

    Ich bin sozusagen seit 2010, 2011 dichter am Thema dran. Hier werden Gekld, Infrastruktur und Menschen verbrannt als gäbe es kein Morgen mehr. Das sowas überhaupt möglich sein konnte ist ein Wahnsinn.

    Gerade darum ist es absolut wichtig und großartig, dass im Untersuchungsausschuss Menschen arbeiten die wirklich aufklären wollen. Vielen Dank für die Arbeit! Hoffen wir, dass es letztendlich dazu führt, dass man solche Projekte in Zukunft anders führt.

    Danke und weiter so….

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