13.02.2015

In seiner heutigen Sitzung vernahm der Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel den Sachverständigen Dr. Michael Fretter, der ab 2010 mit dem Projekt befasst war. Hierzu sagt Martin Delius:

„Die Aussage von Herrn Fretter bestätigt ein weiteres Mal meine Annahme, dass die Flughafengesellschaft von vorneherein nie in der Lage war, ein Projekt wie den BER aus eigener Kraft zu stemmen. So sagte Herr Fretter, dass es innerhalb der Geschäftsführung unter Rainer Schwarz und Manfred Körtgen keine klaren Verantwortlichkeiten bezüglich des Projekts gegeben habe. Organisatorisch sei die Flughafengesellschaft nicht gut aufgestellt gewesen. Auch die Entscheidung, die Planung und Objektüberwachung von einem Anbieter, der Planungsgemeinschaft bbi, vornehmen zu lassen, sei nicht richtig gewesen. Diese Funktionen hätten seiner Ansicht nach getrennt werden müssen.

Schon im Jahr 2010, als mit dem Ingenieurbüro IGK-IGR ein Teil der Planungsgemeinschaft bbi insolvent ging, begann der Bau des Flughafens aus dem Ruder zu laufen. So seien weder die Planungsgemeinschaft noch die Projektsteuerung in der Lage gewesen, angepasste und nachvollziehbare Terminpläne aufzustellen. Auch scheint innerhalb des Projekts nicht klar gewesen zu sein, welche Probleme sich aus der Insolvenz der IGK-IGR für den Bau ergeben.

Auch bestätigte Herr Fretter die Aussagen früherer Zeugen, wie zum Beispiel die der Projektsteuerin Ariana Graf-Hertling in Bezug auf die Ignoranz der Geschäftsführung, wenn es um Probleme und kritische Meldungen zum Flughafenbau ging. So habe der Technische Geschäftsführer Körtgen kritische Meldungen nicht hören wollen und habe diese auch nicht in der gebotenen Klarheit in den Geschäftsführersitzungen weitergegeben. Herr Fretter gab an, dass er mehrmals von der Projektsteuerung darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass kritische Einschätzungen auf der Geschäftsführerebene nicht gern gesehen seien. Insgesamt sei das Verhältnis zwischen der Bauherrin Flughafengesellschaft und der Projektsteuerung WSP CBP aus seiner Sicht ‚zu harmonisch‘ gewesen. Die Projektsteuerung hätte sich durchaus kritischer äußern sollen. Dazu war sie aber nicht in der Lage, da sie vertraglich verpflichtet war, den Anweisungen der Geschäftsführung Folge zu leisten.

Herr Fretter bestätigte, dass im Herbst 2011 von einer Fertigstellung nicht mehr die Rede sein konnte. Ab da sei alles nur noch Flickwerk gewesen. Der Zeuge zitierte aus einem internen Schriftwechsel zwischen ihm, der Projektsteuerung und der Flughafengesellschaft vom März 2012. Aus diesem geht klar hervor, dass eine Inbetriebnahme des Flughafens im Juni 2012 so gut wie nicht mehr möglich war. Warum Geschäftsführung und Aufsichtsrat die Öffentlichkeit erst im Mai informierten, ist bislang nicht nachvollziehbar.“

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