Im Bildungsausschuss fand heute eine Anhörung zu der im letzten Jahr vom Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) veröffentlichen „Anhörungsfassung“ der neuen Rahmenlehrpläne für Klassenstufen 1 bis 10 statt. Zu den Änderungen gehören u.a. eine Zusammenlegung der Fächer Geografie, Geschichte und politischer Bildung in Klasse 5 und 6 zu „Gemeinschaftskunde“,  sowie ein themen- und querschnittsorientierter Unterricht im Fach Geschichte in den Klassenstufen 7 und 8. Das Fach Sozialkunde wird in den Klassenstufen 7 bis 10 in „Politische Bildung“ umbenannt und soll in das Fach Geschichte integriert werden. Darüber hinaus soll eine von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und vom LISUM Berlin-Brandenburg nicht weiter definerte „Demokatieerziehung“ in allen Fächern stattfinden.

Hierzu sagt Martin Delius, bildungspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Die Anhörung hat ein vernichtendes Urteil zur Situation der politische Bildung an Berliner Schulen ergeben. Aufgrund der Koppelung des Faches mit Geschichte findet in vielen Schulen überhaupt kein Politikunterricht mehr statt. An der Freien Universität ausgebildete Politiklehrkräfte finden keine passende Anstellung in Berliner Schulen, was dazu führt, dass sie die Stadt verlassen. Im Ländervergleich zeigt sich das erschreckende Ausmaß: Berliner Jugendlichen fehlen häufig elementare Kenntnisse über Prinzipien der Demokratie. Gerade in Zeiten, in denen in der Stadt rechte Bewegungen wieder salonfähig werden und sich Antisemitismus weiter ausbreitet, ist solch ein Zustand katastrophal.
Der Senat und das LISUM ignorieren das Problem völlig. Die neuen Rahmenlehrpläne verschärfen mit der geplanten Zusammenlegung verschiedener Fächer die Lage. Ein themen- und querschnittsorientierter Unterricht in „Gemeinschaftskunde“ und „Geschichte“ ohne Auskoppelung und Schwerpunktsetzung des Faches Politische Bildung wird weiterhin dazu führen, dass grundlegende Politikkenntnisse nicht erworben werden können, weil die Zeit fehlen wird. Wie eine „Demokratieerziehung“ in allen weiteren Fächern bei vollen Stundenplänen und fehlender Fortbildung der Lehrkräfte gelingen soll, können Senat und LISUM bis heute niemandem erklären. 
Senat und LISUM dürfen die aktuelle Gelegenheit nicht verstreichen lassen, die politische Bildung in Berlin zu stärken. Wenn eine Stunde pro Woche für das Fach fehlt, dann müssen wie in Brandenburg die Stundentafeln angepasst werden.“
Link

Anhörungsportal zum Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufe 1-10 in Berlin und Brandenburg:

http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/anhoerungsportal.html 

Ein Kommentar

  1. 1
    Politiklehrer

    Lieber Herr Delius,

    ich finde die Forderung sehr nachvollziehbar. Wir haben nachgerechtet, wie viele Stunden Sozialkunde wir realistischer unterrichten können. Bei rd. 42 Schulwochen können ca. 20 % abgezogen werden, an denen kein Unterricht stattfindet (Abi-Prüfungen, Krankheit, Klassenfahrten usw.). Bleiben 34 Wochen in denen Geschichte und Sozialkunde unterrichtet werden können. Bei der 1/3-Regelung verbleiben gut 12 Wochen für Politik ( am Gymnasium zweistündig also 24 Stunden im Schuljahr, an der ISS i.d.R. nur einstündig 12 Stunden Politik). Pro Schuljahr müssen mind. zwei Themenfelder bearbeitet werden, hinzu kommen übergreifende Themen (nachhaltige Entwicklung, Medienbildung). Dann sollen wir in 10 Stunden (Gymnasium) bzw. 5 Stunden das Themenfeld Demokratie unterrichten?!
    Erst kürzlich wurde eine Studie vorgestellt, die bestätigt, dass Demokratie politische Bildung braucht (http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Wie-politische-Bildung-wirkt;art675,1291745). Könnte man nicht zumindest die eine oder andere Profilstunde für das Fach verwenden? Bitte bleiben Sie dran. Ich glaube, dass gerade jetzt Druck ausgeübt werden kann….

Was denkst du?

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.