In seiner heutigen Sitzung vernahm der Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel den scheidenden Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Hartmut Mehdorn. 

Hierzu sagt Martin Delius:

„Die Schilderungen von Herrn Mehdorn bestätigen unsere bisherigen Erkenntnisse über Zustand und Kompetenzen der Flughafengesellschaft unter ihrer alten Geschäftsführung von Rainer Schwarz und Manfred Körtgen. Beide hinterließen das Unternehmen und die Baustelle des BER in einem katastrophalen Zustand. Laut Mehdorn herrschten zu Beginn seiner  

Tätigkeit Führungslosigkeit und Stillstand auf der Baustelle. Die zuvor vom Aufsichtsrat gebilligten Beschleunigungsmaßnahmen, mit denen der Eröffnungstermin im Juni 2012 doch noch gehalten werden sollte, verschärften laut Herrn Mehdorn den chaotischen Zustand der Baustelle. Die damals überstürzt vorgenommenen Baumaßnahmen müssen heute kleinteilig abgearbeitet werden. Diese unter dem  Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit vorgenommenen Maßnahmen erweisen sich in der Rückschau als schädlich für das gesamte Projekt. Wowereit und sein Aufsichtsrat kamen ihren Pflichten hier offensichtlich nicht in der gebotenen Weise nach.

Schon die im Mai 2012 vorgenommene Entlassung der Planer, die ebenfalls vom Aufsichtsrat unter Wowereit durchgesetzt wurde, führte zu einer weiteren Verlangsamung der Bautätigkeit und schließlich zum vorläufigen Stillstand des Projekts. Wowereits Krisenmanagement war nach dieser Aussage eher schädlich als nützlich für den Flughafenbau. Auch die bis zur Verschiebung 2012 vorgenommene Projektsteuerung war laut Mehdorn nicht dazu geeignet, das Projekt tatsächlich zu steuern. Der Aufsichtsrat hätte hier viel eher durchgreifen müssen, hat den Ernst der Lage aber offenbar über Jahre hinweg nicht erkennen wollen.

Die Befragung hat außerdem ergeben, dass der in der Öffentlichkeit formulierte Hauptkritikpunkt an Horst Amann – die Bestandsaufnahme – nicht zu halten ist. Mehdorn hat zu Beginn seiner Tätigkeit genau das selbe gemacht, wie Amann. Beide Geschäftsführer haben offensichtlich parallel gearbeitet und damit Ressourcen des Projekts verschwendet. Überraschend war die Aussage von Mehdorn, dass trotz eines Auflagenbeschlusses des Aufsichtsrats auch nach dem Stichtag 31. Mai 2013 bis heute keine Prüfung von 2012 beschlossenen Vorauszahlungen an Imtech stattgefunden hat. Vor diesem Hintergrund führt jede Weiterbeschäftigung der Firma zu potenziellem Schaden für das Projekt und die Flughafengesellschaft und ist unverantwortlich.“

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