Die Beantwortung von drei schriftlichen Anfragen der Piratenfraktion offenbart Widersprüchlichkeiten bei der Meldung von Befunden gesundheitsgefährdender Legionellen. Dabei schwanken die gemeldeten Zahlen von Bezirk zu Bezirk enorm: So gab es seit 2011 allein in Treptow-Köpenick 97 Legionellenbefunde, in Neukölln jedoch vermeintlich gar keinen.
Die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg sowie Spandau haben gar nicht geantwortet. Von den gemeldeten Fällen entfielen 294 auf Berliner Kindertagesstätten, in Schulen gab es 121 Befunde, in Sportanlagen 40 und in Einrichtungen der Kindertagespflege 15.

Dazu sagt Philipp Magalski, umweltpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Die Zahlen sind erschreckend hoch, 425 Legionellenbefunde seit 2011 sind eindeutig zu viel. Vor allem für Kinder und ältere Menschen sind Legionellen gefährlich. Die Keime können krank machen, im schlimmsten Fall sogar eine schwere Lungenentzündung auslösen und müssen deshalb zurecht den Behörden gemeldet werden. Auffälig sind hierbei die stark schwankenden Angaben der Bezirke. Dass es in Neukölln seit 2011 angeblich keinen einzigen Legionellenbefund gegeben hat, erscheint doch sehr fragwürdig. Ein möglicher Grund: Der Bezirk hat keinerlei Auflistung über die regelmäßig zu kontrollierenden Warmwassergroßanlagen. Ein einheitliches Meldesystem würde einen statistischen Überblick ermöglichen und muss daher dringend eingeführt werden.

Darüber hinaus sind die Bearbeitungszeiten der Kontrollen in den bezirklichen Gesundheitsämtern viel zu lang. Wenige Hygieneaufseher*innen müssen tausende Probemessungen kontrollieren. Bei akuten Vorfällen, wie der aktuellen Masernwelle, bleiben viele Legionellenproben unbearbeitet in den Gesundheitsämtern liegen. Betroffene Einrichtungen erfahren somit womöglich nicht einmal von einem Legionellenbefall und können die Verbraucher*innen nicht schützen. An dieser Stelle rächt sich der jahrelange Sparkurs in den Bezirken. Es steht zu befürchten, dass sich die Situation aufgrund des Personalmangels weiter verschärfen wird.

Hier ist der Senat in der Pflicht: Die Kommunikation zwischen den Verantwortlichen muss verbessert werden. Die Gesundheitsämter müssen personell endlich besser ausgestattet werden. Der jahrelange Sparkurs in den Bezirken darf nicht länger zulasten der Gesundheit der Berliner*innen gehen.“

Schriftliche Anfragen der Piratenfraktion:

„Legionellenbefall in Kindertagesstätten und in der Tagespflege“

„Legionellenbefall in Schulen“

„Legionellenbefall in Sportanlagen“

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