18.05.2015

Heute legte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt den neuen Berliner Mietspiegel vor. Demnach liegt die aktuelle Durchschnittsmiete in Berlin bei 5,84 Euro pro Quadratmeter. Gegenüber dem Mietspiegel von 2013 entspricht das einer Zunahme von rund 5,4 Prozent.
Der Mietspiegel von 2013 wurde letzte Woche vom Amtsgericht Charlottenburg für unwirksam erklärt. Dennoch hält der Senat an der Aussagekraft des aktuellen Mietspiegels fest.

Dazu sagt Oliver Höfinghoff, mietenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Dass der Berliner Mietspiegel keinerlei wissenschaftlichen Kriterien folgt, beanstanden wir seit Jahren. Ebenso lange fordert die Piratenfraktion eine Reformierung des Mietspiegels, in den endlich auch die Bestandsmieten miteinbezogen werden müssen. Eine Überarbeitung des Mietspiegels blieb jedoch bis heute aus. Im Gegenteil – der Senat hält trotz des Gerichtsurteils auch weiter an der Aussagekraft des Instruments Mietspiegel fest und verkündet im aktuellen Mietspiegel 2015 zufrieden einen lediglich moderaten Anstieg der Mieten. Ein schöngerechneter Mietspiegel, der wissenschaftlichen Grundsätzen nicht gerecht wird, nützt jedoch keinem.

Alle, die in der jüngeren Vergangenheit in Berlin auf Wohnungssuche waren, wissen: Der Mietspiegel bildet die Wirklichkeit der steigenden Mieten in der Stadt nicht ab. Die Mieten fressen zunehmend einen Großteil des Einkommens vieler Berliner und Berlinerinnen auf. Will die schwarz-rote Koalition ihrem selbst ernannten Topthema ‚bezahlbares Wohnen‘ gerecht werden, muss sie auch beim Instrument Mietspiegel dringend nachbessern. Dazu gehören transparente Verfahren ebenso wie ein Einspruchsrecht der Berliner*innen bei Änderungen der Wohnlageneinstufung. Neben den wissenschaftlich nachprüfbaren Kriterien muss für die Berliner Mieter und Mieterinnen auch Rechtssicherheit geschaffen werden.

Das gilt insbesondere, da der Mietspiegel ab 1. Juni als Hauptgrundlage für die vom Bund verabschiedete Mietpreisbremse dienen soll. Ohne rechtssichere Grundlage wird eine ohnehin schon löchrige Mietpreisbremse zur Farce.“

2 Kommentare

  1. 1

    Der Mietspiegel ist doch viel zu hoch. So viele (Ur-) Berliner – ich rede nicht von den gutsituierten Zuzüglern, die wie die Moskitos ins „hippe““ Berlin einfallen und die Infrastruktur zerstören – können sich die Mieten kaum noch leisten. Die Preise je m2 beziehen sich zudem auf die Kaltmiete. Das ist alles nur Gerede, Mietspiegel hin oder her. Die Politik tut doch nichts dagegen, sie palavert und handelt im Grunde doch im Vermieterinteresse. Die Mieten gehören eingefroren und den gierigen Vermietern und Investoren gehört das Handwerk gelegt. Das sind seelenlose Wesen, die nur nach Profit schreien, deren Lieblingswort „Wirtschaftlichkeit“ zu sein scheint und denen das Schicksal der Menschen absolut egal ist.

    Das Thema brennt doch nicht nur bei Wohnungssuchenden, sondern vor allem bei Altmietern. Es wird Angst und Unsicherheit geschürt. Die Menschen werden krank vor Sorge, weil sie fürchten müssen, dass sie aus ihrem eigenen kleinen Schutzgebiet verjagt werden. Weil sie kein Geld haben.

    Gerade Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Kreuzkölln, Nekölln werden künstlich hochgepuscht. Es ist unerträglich, was dort passiert.

    Wer möchte so leben?

    Was tut IHR dagegen? Wie stark engagiert IHR Euch gegen die Gentrifizierung? Das möchte ich gerne wissen.

    Tina

  2. 2

    Noch ein Nachtrag: Ich bin bei dem Thema Mieten / Vermieter / Investoren / Gentrifizierung von Berlinern sehr aufgebracht. Ich erlebe seit langem zuviel davon. Gerade habe ich erfahren, dass in dem Haus, in dem ich lebe, für eine ganz sicher nicht komfortable Wohnung mit dünnen Wänden, lauter Klospülung, wenig Platz – aber in Kreuzberg – 12,00 EUR pro m2 bei Neuvermietung genommen werden. Als Kaltmiete versteht sich.

Was denkst du?

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.