26.06.2015

Im Auftrag der Piratenfraktion hat das Hamburg Institut Research (HIR) untersucht, ob und wie ein fahrscheinloser öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) in Berlin realisierbar ist. In verschiedenen Modellen zeigt die Studie, wie ein fahrscheinloser ÖPNV in Berlin langfristig umgesetzt werden kann. Die Ergebnisse werden heute um 18 Uhr im Berliner Technikmuseum durch Vertreter des HIR präsentiert und anschließend auf einer Podiumsdiskussion mit verschiedenen Verkehrsexperten besprochen.

Hierzu sagt Andreas Baum, verkehrspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Einfach einsteigen und losfahren, ohne Tarifdschungel, ohne Fahrkartenkontrollen, in der ganzen Stadt, für alle – das ist unsere Vorstellung eines fahrscheinlosen ÖPNV. Diese Utopie ist realisierbar, wie die von uns beauftragte Machbarkeitsstudie jetzt zeigt. Fahrscheinlos ist eine wirkliche Perspektive für die Neugestaltung des Berliner Verkehrs.
Dass dieser grundlegend neu gestaltet werden muss, ist unstrittig: Das Mobilitätsverhalten in Berlin wandelt sich seit Jahren, die bisherige Nutzerfinanzierung des ÖPNV stößt an ihre Grenzen. Um die Finanzierung langfristig zu sichern und gerechter zu gestalten, muss sie durch ein solidarisches Finanzierungsmodell ersetzt werden. Mit unserer Studie liegt jetzt erstmals eine belastbare, wissenschaftliche Grundlage vor, um Fragen nach dem Mehrbedarf eines fahrscheinlosen ÖPNV und der entstehenden Kosten sowie zu Details der möglichen Finanzierungsvarianten zu beantworten.
Ein fahrscheinloser ÖPNV verbessert nicht nur die Situation der Fahrgäste. Die Studie rechnet damit, dass sich die Zahl der Autofahrten signifikant verringern würde, was dann wieder von Nutzen für den Rad- und Fußverkehr wäre.
So würde der fahrscheinlose ÖPNV zu einem Teil eines neuen, zeitgemäßen und umweltfreundlichen Gesamtverkehrskonzepts.
In den kommenden Haushaltsberatungen werden wir uns dafür einsetzen, die Grundlagen und Vorkehrungen für eine funktionierende Infrastruktur und einen fahrscheinlosen ÖPNV in Berlin zu schaffen.

Wir sind überzeugt: Die Studie war der Startschuss – Fahrscheinloser ÖPNV in Berlin ist machbar!“

Link:
Grundlagen- und Machbarkeitsstudie Fahrscheinloser ÖPNV in Berlin

Mehr Informationen:
http://fahrscheinlos.piratenfraktion-berlin.de

5 Kommentare

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    markus höht

    Ich fahre ganzjährig von Charlottenburg nach Mitte zur Arbeit und habe noch nie das Fahrrad mit in die U bzw S-Bahn genommen. Mein Eindruck ist, dass insbesondere seit dem letzten S-Bahn-Streik erheblich mehr Radfahrer das Rad zum Pendeln entdeckt haben (vor den Fahrradampeln stauen sich an der Strasse d. 17. Juni teilweise über 20 Radfahrer).

    Das Zwangsticket empfinde ich als Entmündigung.
    Ich möchte selbst entscheiden, für welches Verkehrsmittel ich mein Geld ausgebe und bin nicht bereit, neben meiner ohnehin schon erheblichen Steuerbelastung (Steuerkl I, Unterhalt f. 1 Kind) auch noch die BVG-Fahrer zu subventionieren, die übrigens auch auf das Fahrrad umsteigen könnten (wäre gesünder, billiger u. teilweise auch schneller als die BVG).

    Viele Grüße

    Markus Höht

  3. 3

    […] heute von der Berliner Piratenfraktion vorgestelltes Gutachten des „Hamburg Institut“ (HIR) bestätigt die Machbarkeit eines fahrscheinlosen Nahverkehrs. […]

  4. 4

    Bis zu meinem 65. Lebensjahr bin ich in und um Berlin alles geradelt oder gelaufen.
    Ein Berlin-Zwangsticket wie in der Studie errechnet wäre für mich eine erhebliche Einschränkung meiner endlich machbaren Bewegungsfreiheit:
    Das jetzt von vielen Rentnern gerade noch bezahlbare 65+ Ticket für ganz Berlin und Brandenburg gibt die Möglichkeit trotz kleiner Rente wenigstens Natur zu genießen, die ansonsten im Bereich des Berliner Nahverkehrs zunehmend vermüllt, verbaut und überlaufen ist.
    Effektivere Kontrollsysteme im ÖPNV würden dessen Finanzierung auch nachhaltig sichern, zumindest geht das aus ebenso aktuellen Studien hervor.
    In Umweltbildung und Berliner Sportstätten zu investieren wäre eine notwendigere Angelegenheit.
    Die Gerechtigkeit eines solidarischen Finanzierungsmodells zweifle ich an. Ich halte sie z.B. auch nicht mit den neuen GEZ-Gebühren gegeben. Diese Art Gerechtigkeit ist eine Utopie, die aus meiner Sicht nur ein Mittelstandsdenken bezeugt.

    Es grüßt
    K. Brandler

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    wenn auch sozial benachteiligte einen beitrag für die öffis bezahlen müssen, nimmt man genau diesen menschen die letzte möglichkeit durch verzicht auf die öffis geld zu sparen und nötigt diesen leuten geld ab für eine leistung die sie nicht zwangsläufig benötigen!

    ist das wirklich euer ernst?

    wenn alle denselben niedrigen (???) beitrag zahlen, wird der öpnv von dem heer der geringverdiener finanziert und die reichen profitieren durch die geringen kosten für die öffis auf dem rücken der armen!

    ist das wirklich euer ernst?

    reicht der horror mit einer zwangsgebühr für den öffentlichen rundfunk nicht?

    hier dürfen jetzt auch die bisher aus gesundheitlichen gründen zum nachteilsausgleich befreiten bezahlen.

    selbiges gilt dann für die schwerbehinderten, die dann „ganz solidarisch“ ein vielfaches für den für diese menschen so dringend als teilhabe erforderlichen öpnv zu zahlen gezwungen sind.

    ist das wirklich euer ernst?

    diese populistischen vorschläge sind alles andere als zu ende gedacht und führen zu einer finanziellen mehrbelastung derer, die am wenigsten geld haben!

    sehr sozial!

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