06.08.2015

Bezüglich der Meldungen, die Polizei hätte einen Tatverdächtigen im Mordfall Prenzlauer Berg mittels Funkzellenabfrage ermittelt, stellt Christopher Lauer, innenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion fest:

„Es gibt zwei Arten von Funkzellenabfragen: Die individualisierte und die nicht individualisierte. Bei der individualisierten fragen die Behörden ab, in welcher Funkzelle eine der Polizei bekannte Telefonnummer eingeloggt war. Bei der nicht individualisierten Funkzellenabfrage werden sämtliche Anschlüsse ermittelt, die in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Funkzelle waren.
Da der mutmaßliche Täter das Mobiltelefon des Opfers entwendet und danach genutzt haben soll, war der Polizei die Telefonnummer bekannt. Daher kommt zur Standortbestimmung nur eine individualisierte Funkzellenabfrage in Betracht. Bei einer nicht individualisierten Funkzellenabfrage hätte jede Funkzelle in Berlin ausgewertet werden müssen, um den Standort des der Polizei bekannten Anschlusses zu ermitteln. Angesichts der angespannten Personalsituation der Berliner Polizei scheint dies unwahrscheinlich.
Wenn sich die Justizverwaltung jetzt über den schnellen Ermittlungserfolg durch Funkzellenabfrage freut und dabei eine individualisierte mit einer nicht individualisierten Funkzellenabfrage verwechselt, vergleicht sie Äpfel mit Birnen.
Darüber hinaus weist die Polizei selbst darauf hin, dass auch Telefondaten genutzt wurden. Zur Ermittlung des Standortes des mutmaßlichen Täters kann also auch eine „Stille SMS“ entscheidend gewesen sein.

Als Parlament werden wir nie erfahren, was für den Ermittlungserfolg wirklich ausschlaggebend war. Das Abgeordnetenhaus wird weder qualitativ noch quantitativ über Ausmaß und Nutzung der den Behörden zur Verfügung stehenden Überwachungsmaßnahmen informiert.“

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