06.10.15
In der Antwort der Senatskanzlei auf die Frage des Abgeordneten Martin Delius zu den Hintergründen und Kosten der Ehrenamtshotline für die Flüchtlingshilfe berichtet der Senat von der Hilfsbereitschaft der Berlinerinnen und Berliner.
Hierzu nimmt Martin Delius, Vorsitzender der Piratenfraktion, Stellung:
    
„Der Senat rechnet sich die Zahlen schön. In einer Pressemitteilung zu meiner schriftlichen Anfrage berichtet er von den vielen Anrufen bei der befristet eingerichteten Hotline der Stiftung Gute-Tat. Angeblich werden von der Stiftung zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Ehrenamtskoordination mit Hilfe der Hotline abgestellt. Der Senat bezahlt dafür allerdings nur 1.600,- EUR im Monat. Das ist unglaubwürdig. Die angeblich so erfolgreiche Hotline ist Makulatur, solange der Senat sie nicht vernünftig ausfinanziert und verstetigt. An Stelle dauerhafter Koordinierung hat der Senat hier nur einen befristeten Vertrag geschlossen. Wie es mit der Hotline und der Ehrenamtskoordination nach dem 31.12.2015 weitergeht, ist völlig offen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung
Gute-Tat werden nicht gesondert auf das Ehrenamt im Bereich der Hilfe für Geflüchtete geschult; die Recherche nach Ansprechpersonen in Bezirken und bei Initiativen wird dem Zufall überlassen. Statt sich mit wirklich kompetenten Strukturen wie dem Flüchtlingsrat abzustimmen und hier die Mittel auszubauen, wird ein lächerlicher Betrag für eine etablierte aber fachfremde Organisation ausgegeben. So verwundert es auch nicht, dass die Hotline hilfsbereite Menschen einfach an Büros von Abgeordneten – wie dem Büro der guten Laune – verweist, anstatt Fragen zu beantworten.
50 Anrufe pro Tag sind angesichts der vielen tausend ehrenamtlich aktiven Berlinerinnen und Berliner auch wirklich nicht viel. Die Hotline könnte, wenn sie vernünftig ausgestattet und aufgestellt wäre, weit mehr Fragen beantworten. Die Ehrenamtshilfe ist eines der zentralen Themen der Aktuellen Notsituation zur Aufnahme von Geflüchteten. Der Senat sollte hier endlich ein Engagement an den den Tag legen, das dem der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern entspricht. 
Berlin braucht endlich ein echtes Ehrenamtsmanagement im Bereich der Geflüchtetenhilfe. Dazu gehört auch ein zentrales Sachspendenlager, das für alle zugänglich und in der Verteilung kompetent ist. Dazu gehört aber auch eine vernünftig ausgestattete Koordinierungsstelle, die nicht nur aus einer halben Mitarbeiterin in einem Callcenter besteht. Der Winter kommt und wenn der Senat es nicht endlich schafft, die Hilfsinitiativen erfolgreich zu koordinieren und die enorme Spenden- und Hilfsbereitschaft der Menschen in der Stadt so zu steuern, dass die Hilfe bei den Geflüchteten dann ankommt, wenn sie dort gebraucht wird, riskiert er eine humanitäre Katastrophe. Ohne die Ehrenamtlichen wird Berlin die Situation der nächsten Monate nicht stemmen können.“
Link zur Anfrage:

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