02.11.2015
In der heutigen Sitzung des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten standen erneut die zukünftige Ausgestaltung des Humboldt-Forums sowie der Berliner Beitrag unter dem Arbeitstitel Welt.Stadt.Berlin auf der Tagesordnung. Neben der Auswertung der im Juni dieses Jahres erfolgten Anhörung ging es dabei auch um den aktualisierten Stand der Konzeptentwicklung für den Beitrag Berlins, den das Land im März von der Zentral- und Landesbibliothek übernommen hatte.

Dazu sagt Philipp Magalski, kulturpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Das Land Berlin muss sich bei der Aufarbeitung seiner Rolle in der Kolonialgeschichte stärker engagieren. Es reicht nicht, immer nur darauf zu verweisen, dass hier vor allem der Bund gefragt sei. Gerade dort, wo die Stadt Berlin sich im Rahmen einer eigens kuratierten Ausstellung als ‚Welt.Stadt.Berlin‘ präsentieren möchte, muss die Frage nach historisch-kritischer Aufarbeitung in den Vordergrund gestellt werden. Bisher fehlen dafür Konzepte, fehlt es an konkreten Inhalten. In der Stadt gibt es abgesehen vom Namibia-Gedenkstein praktisch keine sichtbaren Zeichen für eine Auseinandersetzung, dafür allerdings viele Ehrungen von Kolonialgenerälen und strittige Straßennamen, wie etwa die Mohrenstraße oder das sogenannte Afrikanische Viertel. Auf Paul Spies wird als Kurator von Welt.Stadt.Berlin hier eine anspruchsvolle Rolle zukommen, gerade auch im Dialog mit dem Intendanzteam des Humboldt-Forums.

Wir fordern, dass Berlin seinen Beitrag im Humboldt-Forum aktiv nutzt, um dem noch verbreiteten heroisierenden und unkritischen Geschichtsbild und der postkolonialen Exotisierung einen Kontrapunkt zu setzen – mehr Edward Said, mehr Gayatri Spivak, mehr Homi Bhabha und weniger deutschtümelnde Selbstbeweihräucherung. Berlin könnte hier eine kritische Auseinandersetzung konstruktiv begleiten, angefangen bei den Namenspatronen des Bauwerks. Diese Aufgaben sehen wir verortet in einem gut kuratierten Berliner Beitrag.“

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