13.11.15
In seiner heutigen Sitzung vernahm der Untersuchungsausschuss zum Staatsopern-Skandal den ehemaligen Kultursenator Dr. Thomas Flierl.
Die Sitzung kommentiert Wolfram Prieß, Vertreter der Piratenfraktion im Ausschuss:
    
„Dr. Flierl gab an, dass für ihn eine denkmalgerechte Sanierung der Staatsoper im Vordergrund stand. Warum es hierzu nicht kam, beschrieb Flierl in seiner Zusammenfassung: Lobbyismus plus Konzeptlosigkeit. Den ehemaligen Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete Flierl als strategischen Kopf des Vorhabens – ganz im Gegensatz zu Wowereits Eigendarstellung. Das dürfte auch einer der Gründe für die verdächtig detailreiche Befragung durch die SPD-Mitglieder im Ausschuss sein. Offenbar versucht die SPD dringend, einen Vertreter der Linken zu belasten, um von den zahlreichen eigenen Verfehlungen abzulenken. 
Zur Spendenzusage der Freunde und Förderer verfiel Dr. Flierl in die gleiche Taktik, die bereits alle anderen Zeug*innen vor ihm angewandt hatten: Eine schriftliche Fixierung der Spendenzusage sei nicht erforderlich, da niemand damit hätte rechnen können, dass die zugesagte Summe niemals zustande kommen würde. Gleichzeitig bleibt die Rolle der Spendenzusage im Zusammenhang mit der später folgenden Finanzierungszusage durch den Bund höchst dubios – und keine*r der bisherigen Zeug*innen war willens oder in der Lage, hier zur Erhellung beizutragen. Wieso es niemand vermocht hat, eine so große Spendensumme schriftlich zu fixieren, bleibt weiter im Dunkeln – wir halten aber den Verweis auf eine angebliche feste Spendenzusage, die niemand anzuzweifeln hatte, für eine äußerst dürftige Erklärung. Letztendlich sind von den 30 Millionen Euro bisher ja auch nur etwa 4 realisiert worden.
Dr. Flierl setzte sich laut Eigenaussage auch gegen eine Deckenanhebung, einen vierten Rang oder die Einrichtung einer Kreuzbühne ein, die er aus kulturpolitischen und denkmalrechtlichen Erwägungen heraus nicht befürwortete. Dass bis auf den vierten Rang im Opernhaus diese Maßnahmen letztlich doch unter weitgehender Beibehaltung der denkmalgerechten Innenraumgestaltung umgesetzt wurden, zeigt, wie schlecht sich die politischen Verantwortlichen gegen ein undurchsichtiges Konglomerat aus privaten Interessen  durchsetzen konnten und wollten. Seine eigene Rolle in dem Skandal war dem Senator hingegen weniger erinnerlich. Angesprochen auf eine direkte und informelle Begegnung mit Peter Dussmann im Mai 2006, in dem die Spendenzusage der Freunde und Förderer und eine Bankgarantie (die natürlich verworfen wurde) Gegenstand waren, erinnerte sich der Zeuge selbstverständlich nicht.“

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