18.01.2016

Die Einteilung von Menschen mit Behinderungen in bestimmte Hilfebedarfsgruppen ist die Grundlage für die Finanzierung des Betreuungsbedarfs im Heim. Eine von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in Auftrag gegebene Evaluation ergab bereits 2014, dass diese Einteilung jedoch in vielen Fällen nicht den individuellen Hilfebedarfen entspricht. Häufige Folge: Menschen mit mehrfachen Behinderungen bekommen nicht die Unterstützung, die sie tatsächlich benötigen. An- und Ausziehen, Pflege, Teilhabe an der Gesellschaft, Essen, medizinisch-pädagogische Versorgung – all diese Bereiche sind nicht in dem Umfang gesichert, wie es notwendig wäre. Menschen mit Behinderungen müssen aber die Unterstützung erhalten, die sie für die Teilhabe am Leben benötigen. So steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention.

Die heutige Anhörung im Ausschuss für Gesundheit und Soziales zum Thema Versorgung von Menschen mit schweren Behinderungen in Heimen, kommentiert Alexander Spies, sozialpolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

„Es ist völlig unverständlich, warum der Senat die im Evaluationsbericht empfohlenen Maßnahmen bis heute nicht realisiert hat. So erfolgt die Feststellung des Hilfebedarfs immer noch durch Fallmanager, und nicht durch qualifizierte Fachleute. Die Vergabe und Vergütung der Leistungen für Menschen mit mehrfacher Behinderung in Heimen bleibt damit völlig intransparent. Auch die Einteilung in bestimmte Hilfebedarfsgruppen ist kritisch und wird den individuellen Bedürfnissen oft nicht umfänglich gerecht. Vor allem die Aspekte Selbstbestimmung und Partizipation am gesellschaftlichen Leben geraten in der Betreuung häufig in den Hintergrund.
Wir erwarten jetzt, dass der Senat die Handlungsempfehlungen endlich in seiner Planung berücksichtigt und angemessen umsetzt. Menschen mit Mehrfachbehinderungen dürfen bei der Weiterentwicklung des Leistungs- und Vergütungssystems für stationäre Einrichtungen der Behindertenhilfe nicht länger hinten runterfallen.“

Bericht:
„Evaluation des Umstellungsprozesses der Hilfebedarfsgruppensystematik in vollstationären Einrichtungen für erwachsene Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung – (Projekt Heime)“
Link

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