Anfang des Jahres 2016 bat die Piratenfraktion den Wissenschaftlichen Parlamentsdienst um ein Gutachten zur rechtlichen Beurteilung des eSports – eine Sportart, die den Wettbewerb von Menschen mithilfe von Computerspielen beinhaltet – und die Folgen einer eventuellen rechtlichen Anerkennung. Dieses Gutachten liegt der Piratenfraktion nun vor und wurde heute auf der Fraktionswebseite veröffentlicht. In Kürze dargestellt, stellen die Jurist*innen des Wissenschaftlichen Parlamentsdiensts fest, dass eSport aufgrund der ungefestigten Sportdefinition und der bisherigen rechtlichen Auslegung des Sportbegriffs sich nicht als anerkannte Sportart fassen lässt. Allenfalls eine bewusste politische Entscheidung des Bundes könnte – in der steuerrechtlichen Beurteilung – durch die Behandlung des eSports als Ausnahme gleich dem Schach zu einer rechtlichen Teilanerkennung als gemeinnützige Sportart führen. Das würde für die Sportart viele Erleichterungen, die für Fußball- oder Schachvereine selbstverständlich sind, mit sich bringen.

Der Sprecher für Sport der Piratenfraktion, Andreas Baum stellt dazu fest:

„Das Gutachten zeigt die Probleme des ungenauen Sportbegriffs in der heutigen Gesellschaft auf. Gleichzeitig freuen wir uns, dass es erstmals eine genaue, rechtliche Analyse zum eSport in Deutschland gibt – das ist ein Novum! Und es zeigt auch, warum sich für den eSport die Bemühung um eine Anerkennung lohnt: Nicht nur resultieren daraus viele Erleichterungen im Sportbetrieb, sondern auch eine Verantwortungsübernahme durch z. B. die Motivation zur ehrenamtlichen Jugendarbeit. Nun liegt es an der Politik, den eSport-Veranstaltern sowie den Teams, zueinanderzufinden: Der eSport-Bereich muss sich um ein solides Verbandswesen bemühen. Wir wollen jetzt die politische Initiative ergreifen und den ersten Schritt im Bund zur Anerkennung von eSport erreichen.“

Darum hat die Piratenfraktion auf der heutigen Fraktionssitzung beschlossen, einen Antrag zur Initiative des Landes Berlin für die steuerrechtliche Anerkennung von eSport in das Plenum einzubringen. Damit soll eSport mit anderen, anerkannten, Sportarten auf Augenhöhe agieren können und seinen festen Platz in der Gesellschaft finden.

„Der eSport ist nicht einfach nur eine Trendsportart, wie Sportsenator Henkel ihn jüngst titulierte, sondern hat eine jahrzehntelange Geschichte mit stetiger Entwicklung hinter sich“, erläutert Baum weiter. „Weltweit verfolgen Millionen von Menschen die Wettkämpfe der verschiedenen Disziplinen, deren Austragung letztes Jahr mit dem League-Of-Legends-Finalspiel vor 12.000 Zuschauern und erstmals in Berlin ihren Höhepunkt fand. Berlin ist auch Zentrum von Profi- und Universitätsligen, das ganze Jahr trainieren hier Sportler*innen aus der ganzen Welt, um sich in diesem Wettkampf unter hohen geistigen und körperlichen Anforderungen zu messen. Das muss endlich anerkannt werden.“

Alexander Morlang, Mitglied des Wirtschafts- und Technologieausschusses führt aus:

„Nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich ist eSport ein enormer Faktor geworden. Die Großveranstaltungen ziehen internationalen Tourismus in die Stadt, Veranstalter- und Entwicklerfirmen verlegen ihren Sitz nach Berlin. Diese Entwicklung steigert auch das Potenzial weiterer Neugründungen und Zuzüge. Wenn sich Berlin auf Bundesebene für eine Gleichbehandlung des eSports mit anderen anerkannten Sportarten einsetzt, leistet es ganz praktische Hilfe, diese Entwicklung beizubehalten und nachhaltig zu fördern. Wenn eSport in einer Reihe zwischen Schach und Formel-1-Motorsport steht, profitiert die Berliner Sportwirtschaft davon enorm.“

Links
Antrag der Piratenfraktion Berlin zur steuerrechtlichen Anerkennung von eSport auf Bundesebene (Drs. 17/2910)

Gutachten über Voraussetzungen und Auswirkungen der Anerkennung von eSport als Sportart

Antrag als Vorgang in der Parlamentsdokumentation

Termine
26. Mai 2016 – ab 11 Uhr: Behandlung des Antrags in der Plenarsitzung
27. Mai 2016 – ab 11 Uhr: Anhörung von Expert*innen und eSportler*innen im Ausschuss für Sport

4 Kommentare

  1. 1

    […] uns erbetene Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Abgeordnetenhauses (WPD) und die Pressemitteilung dazu löste Medienberichte bis nach Vietnam aus, der daraus folgende Antrag zur Anerkennung von eSport […]

  2. 2

    […] Thema auf die Tagesordnung gesetzt: die Anerkennung von eSport als Sport. Zur Frage der Anerkennung veröffentlichte die Piratenfraktion kürzlich ein Rechtsgutachten, was ein weltweites Medienecho […]

  3. 3

    […] Aktuelle Stunde: In der Aktuellen Stunde beschäftigt sich das Parlament auf Wunsch der CDU-Fraktion mit dem Thema: „Sporthauptstadt Berlin“ Gemeinsam mit der Aktuellen Stunde wird der Antrag der Piratenfraktion „Anerkennung von eSport – Initiative des Landes Berlin auf Bundesebene“ beraten. Redner: Andreas Baum / Alexander Morlang Zum Thema eSport erhielten Sie bereits eine Presseitteilung: https://www.piratenfraktion-berlin.de/2016/05/10/esport-anderen-sportarten-gleichstellen-andreas-bau… […]

  4. 4

    […] Priorität der Piratenfraktion: „Anerkennung von eSport – Initiative des Landes Berlin auf Bundesebene“ (Drs. 17/2910) Redner: Alexander Morlang. Hierzu erhielten Sie bereits eine Pressemitteilung https://www.piratenfraktion-berlin.de/2016/05/10/esport-anderen-sportarten-gleichstellen-andreas-bau… […]

Was denkst du?

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.