In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin stehen zwei Anträge der Piratenfraktion zur Debatte, die dem Umgang der Stadt mit Videospielen eine neue Prägung verleihen sollen. Einerseits wird über die Anerkennung von eSport als Sportart auf Bundesebene debattiert, andererseits – ohne weitere Debatte – ein durch die SPD und CDU abgeänderter Antrag zur Evaluierung der Videospielwirtschaft in Berlin und Konzeption eines Maßnahmenpakets verabschiedet.

Die Anerkennung von eSport hat das Landesparlament über den vergangenen Monat beschäftigt: Eine Anhörung von Experten im Sportausschuss erörterte die Bedeutung und sportlichen Elemente von eSport im Profi- und im Amateurbereich. Abgeordnete aller Fraktionen bedankten sich für den Einblick in die aktuellen Entwicklungen, trotzdem blieb die Forderung der Anerkennung selbst kontrovers. Während die Piratenfraktion und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für die Anerkennung plädierten, hielten sich SPD und CDU bedeckt und verwiesen auf formale Hindernisse vor allem in der fehlenden Vereins- und Verbandsstruktur. Als Resultat der Debatte traten deutschlandweit eSport-Vereine in den Gründungsprozess, so in Berlin, Leipzig und Magdeburg.

Andreas Baum, sportpolitischer Sprecher der Piratenfraktion, stellt dazu fest:
„Auch wenn heute unser Antrag auf Anerkennung von eSport abgelehnt wird, so ist die Debatte im Vergleich zu anderen Bundesländern, wie in NRW, einen großen Schritt vorangekommen. Die vorsichtige Annäherung der Koalitionsfraktionen an das Thema und die Ablehnung der Anerkennung nur noch aus formalen Gründen lässt hoffen, dass in der nächsten Legislaturperiode mit einer organisatorisch gestärkten eSport-Szene das Ziel der Anerkennung zu erreichen ist.“

Alexander Morlang, Sprecher für Forschung und Technologie, ergänzt:
„Die Diskussion durch das von uns erbetene Gutachten zum rechtlichen Status von eSport und die Expertenanhörung haben internationale Resonanz weit über die eSport-Community heraus erzeugt und zeigen, dass eSport ein Thema für die gesamte Gesellschaft ist. Die Ablehnung des Antrags zeigt aber, dass hier noch viel Arbeit vor uns liegt, um die Stadt auf die Höhe der Zeit zu heben, und eSport sowie seinen Sportler*innen die ihnen gebührende Anerkennung auf politischer und rechtlicher Ebene zuzugestehen. eSport ist Sport!“

Auch der Antrag „‚Spielbare Stadt‘: Maßnahmen zur Stärkung der Videospielbranche in Berlin“ wurde intensiv und produktiv diskutiert. Als Ergebnis wurde der Antrag durch SPD und CDU geändert und mit einem neuen Titel versehen: ‚Studie zur Videospielbranche in Berlin‘. Zentraler Bestandteil bleibt aber weiterhin die von der Piratenfraktion geforderte umfassende Evaluierung der Berliner Gaming-Branche und eine daraus zu erstellende Konzeption zur Förderung der Branche und ihrer Rahmenbedingungen durch den Senat. Ein weiterer Bestandteil des nunmehr geänderten Antrags ist auch die von uns geforderte Vertretung des Gaming-Standorts auf Bundesebene.

Alexander Morlang führt dazu aus:
„Dieser selbstbewusste Umgang mit einem zentralen Pfeiler unserer Kreativwirtschaft und der Wille zur Kooperation mit den Ländern wird uns auf Dauer eine Stabilisierung und Förderung des regionalen und nationalen Standorts bringen. So können wir hohe Projektbudgets, großartige Spiele und kreative Menschen nach Berlin holen, und das braucht diese Stadt dringend, um ihrem Ruf als Kreativhauptstadt auch in Zukunft gerecht zu werden.
Wir haben den Antrag bewusst als offene Plattform ins Abgeordnetenhaus eingebracht und sind mit der Koalition darüber ins Gespräch gekommen. Ein großes Problem bleibt aber weiterhin, dass es zu viele Institutionen und Ansprechpartner in Berlin gibt. Für die Branche wäre eine zentrale Kompetenzstelle mit Bündelung der Informationen hilfreich gewesen. Zurzeit wird der schwere Zugang zu Politik und Verwaltung durch viele Unternehmen und Freiberufler der Gaming-Branche beanstandet. Aber genau diese von uns geforderte wichtige Verbesserung der Rahmenbedingungen kann der Senat immer noch in seiner Konzeption unterbringen – und sollte das auch tun.
Mit der intensiven Debatte zur Anerkennung von eSport und der einstimmigen Verabschiedung zentraler Bestandteile unseres Antrags zur ‚Spielbaren Stadt‘ haben wir ein neues Kapitel in der politischen Anerkennung von Gamer*innen in Berlin aufgeschlagen. Die kommenden Maßnahmen des Senats sind ein gemeinsamer Erfolg, der Berlin langfristig stärkt.“

Anträge:
Antrag der Piratenfraktion – Anerkennung von eSport – Initiative des Landes Berlin auf Bundesebene
Antrag der Piratenfraktion – „Spielbare Stadt“: Maßnahmen zur Stärkung der Videospielbranche in Berlin
Ersetzungsantrag der Fraktionen von SPD und CDU – Studie zur Videospielbranche in Berlin

Was denkst du?

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.